HipHop-Recap: Mit Tyler, The Creator, Snoop Dogg & Dr. Dre
Veröffentlicht auf musikexpress.de am 04.11.2024
Snoop Dogg & Dr. Dre liefern Details zur Kollab-LP & Tyler, The Creator releast den Nachfolger von CALL ME IF YOU GET LOST.
Was war das für eine Woche? Innerhalb einiger Tage machten es Snoop Dogg und Dr. Dre ernst und verkündeten endlich das feste, neue Veröffentlichungsdatum ihres gemeinsamen Albums MISSIONARY und Tyler, The Creator veröffentlicht nach zwei Jahren seine achte Solo-LP – und das random an einem Montag. Der US-Rap bot viel Input in wenigen Tagen: Wir haben es für euch sortiert.
Tyler, The Creator – CHROMAKOPIA
Zuletzt veröffentlichte Tyler, The Creator 2021 sein siebtes Studioalbum CALL ME IF YOU GET LOST, seither flehten ihn seine Fans um eine neue Platte an. Dann passierte alles ganz schnell: Die Rap-Ikone kündigte seine neue LP CHROMAKOPIA an, hinterließ den Album-Opener „St. Chroma“ als Vorgeschmack und veröffentlichte nur wenige Tage später das komplette 14-Track-Ding. Und das einfach an einem Montagmorgen. Aber schlussendlich sprechen wir hier über Tyler, The Creator und wenn jemand dafür bekannt ist, Regeln zu brechen, dann ist es wohl er. Auf X begründete er den gewählten Veröffentlichungstag ganz einfach: „DU KANNST ES DIR ANHÖREN, WENN DU AUFWACHST, DU MUSST DICH NICHT DES SCHLAFS BERAUBEN FÜR ETWAS, DAS DA SEIN WIRD, WENN DU AUFWACHST“. Plus er verschönerte Rap-Fans damit wohl direkt den Wochenstart.
Der CHROMAKOPIA-Tyler
Ganz einfach machte es seiner Hörerschaft allerdings auch nicht. Bereits im Vorfeld spekulierten viele, was hinter CHROMAKOPIA stecken könnte. Schließlich offenbart der 33-Jährige mit jeder Platte eine neue Version von sich selbst und damit auch eine neue Ära. Obwohl das Cover ein sepiafarbenes Bild von Tyler, The Creator mit Maske zeigt, ist der Rapper durch seine vorigen Werke für leuchtende Farben bekannt. Und auch der Titel kam dem trotz Artwork nach, denn „chroma“ ist altgriechisch für „Farbe“. Fans vermuteten ebenfalls, dass sich der Musiker auf die Figur Chroma den Großen aus Norton Justers Buch „Die Abenteuer von Milo“ beziehen könnte. Seine Aufgabe ist es nämlich ein Orchester zu leiten und durch die Musik dafür zu sorgen, dass die Welt in Farben erstrahlt. Was aber tatsächlich der Hintergedanke bei dem Albumtitel war, bleibt bislang unklar. Allerdings scheint es widersprüchlich, vielseitig und doch irgendwie einen doppelten Boden zu haben – und genauso ist auch die Musik.
Die Komplexität
Bis auf den besagten Eröffnungstrack hat Tyler, The Creator das Album komplett selbst produziert und das lässt sich auch heraushören. So erscheinen immer wieder Beats und Melodien, die einen leicht an seine vorigen Werke erinnern lassen. Gleichzeitig kommen neue Einflüssen und Komponenten zusammen, die verschiedene Genres miteinander vereinen. Dicht verbunden und präzise konzipiert, scheint alles seinen bestimmten Platz zu haben: Von den Streicherarrangements bis hin zu den experimentellen Elementen über die energiegeladenen Rock-Einflüsse und fetten Beats. Auch textlich kommen mehrere Facetten des US-Rappers zum Vorschein. So zeigt er sich angriffslustig und teilt in Songs wie „Thought I Was Dead“ mit Zeilen wie: „White boys mocking this sh*t and y’all mad at me / Y’all can suck my dick / Pull up old tweets, pull up old t-shirts, all that, / ’ll moonwalk over that bitch“ ordentlich aus.
Gleichzeitig gibt es auch einen melancholischen Tyler, The Creator, der mehrfach die Stimme einer älteren Dame einbaut, die seine Mutter repräsentiert und ihm Ratschläge gibt. In „Hey Jane“ erlebt man ihn dagegen nachdenklich: Er schildert scheinbar eine persönliche Situation aus der Vergangenheit, in der er angeblich eine ältere Frau geschwängert hat und beide nun überlegen müssen, ob sie das Kind bekommen möchten. Und noch bevor er in Selbstmitleid versinkt, fängt er an über alles genau zu reflektieren. Dabei hebt er einige Ungerechtigkeiten des Kinderkriegens für Frauen hervor: „All die schwersten Emotionen und der körperliche Schmerz/Nur um dem Kind den Nachnamen des Mannes zu geben?“
Schlussendlich ist CHROMAKOPIA ein komplexes und gut durchdachtes Album, auf dem man bei jedem Durchhören eine neue Nuance, eine neue Geschichte oder auch eine neue Seite von Tyler, The Creator entdecken kann.
Snoop Dogg & Dr. Dre – „Gorgeous“
Und gerade wenn man denkt, dass man sich langsam wieder von der Veröffentlichung von CHROMAKOPIA erholt hat, kommen die nächsten Rap-News. Snoop Dogg und Dr. Dre kündigen bereits seit Monaten ihr neues gemeinsames Album MISSIONARY an. In mehreren Interviews gaben sie zwar immer wieder neue Hinweise auf die Platte, aber wurden dabei nie richtig konkret. Umso konkreter wurde es dann innerhalb weniger Tage: Die beiden HipHop-Legenden verkündeten den 13. Dezember als Veröffentlichungsdatum des Albums, zeigten das Cover, die Tracklist und gaben mit einer neuen Single den ersten musikalischen Einblick in das Werk. Für „Gorgeous“ holte sich Snoop Dogg die R&B-Sängerin Jhené Aiko dazu, die seinen lässigen Westcoast-Rapstil um sanften, sexy-angehauchten Gesang ergänzt. Der Song handelt inhaltlich zwar von Lust und Selbstbewusstsein, doch gibt er uns auch einen smoothen Oldschool-Vibe zum Mitwippen.
Snoop Doggs Flow erinnert hier an seine vergangenen Hits, doch könnte MISSIONARY noch einige Überraschungen in der Hinterhand haben. So wird als Feature unter anderem auch Sting bei dem Song „Another Part Of Me“ aufgeführt. Ansonsten häufen sich Gastbeiträge von Rap-Größen wie Eminem und 50 Cent, aber wie soll es auch anders sein, wenn man das 30-jährige Jubiläum von DOGGYSTYLEzelebrieren möchte. Denn MISSIONARY ist der Nachfolger von Dr. Dres und Snoop Doggs erstem und seither einzigem gemeinsamen Album. Und es bleibt spannend, ob aus den 15 Liedern genauso viele Klassiker herauszuholen sind wie bei DOGGYSTYLE (siehe „Nuthin’ but a G’ Thang“, „Gin and Juice“ und „Still D.R.E.“).
Hier die vollständige Tracklist:
- Fore Play (feat. BJ The Chicago Kid)
- Shangri-La
- Outta Da Blue (feat. Dr. Dre und Alus)
- Hard Knocks
- Gorgeous (feat. Jhené Aiko)
- Last Dance With Mary Jane (feat. Tom Petty und Jelly Roll)
- Pressure (feat. Dr. Dre und K.A.A.N.)
- Another Part Of Me (feat. Sting)
- Skyscrapers (feat. Method Man und Smitty)
- Fire (feat. Cocoa Sarai)
- Gunz N Smoke (feat. 50 Cent und Eminem)
- Sticcy Situation (feat. K.A.A.N. und Cocoa Sarai)
- Now Or Never (feat. Dr. Dre und BJ the Chicago Kid)
- Gangsta Pose (feat. Dem Jointz, Stalone und Fat Money)
- The Negotiator
HipHop-Recap: Mit Wa22ermann ft. Eli Preiss und Prinz Pi
Veröffentlicht auf musikexpress.de am 11.11.2024
Von vergangenem Herzschmerz und gegenwärtigem Selbstbewusstsein: Die Rap-Releases gehen von Reflexion bis Rebellion.
Die vergangene Woche war belastend: Erst gewinnt Donald Trump die US-Wahlen und wird zum 47. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt, und dann kündigt Olaf Scholz den Finanzminister Christian Lindner und spricht in der dazugehörigen Pressekonferenz über eventuelle Neuwahlen. Nun ja … dafür gibt es in puncto Rap leichtere Kost, denn es dreht sich diesmal alles um die Liebe. Sei es die Selbstliebe oder die Liebe, die wir für andere empfinden: Es gibt verschiedene Perspektiven, um auf dieses Gefühl zu blicken. Wie das musikalisch ausschauen kann, zeigt uns Prinz Pi mit einem Vorgeschmack auf seine neue Platte WEST-BERLIN und Wa22ermann featuring Eli Preiss, die eine fette Party auf sich selber feiern.
Wa22ermann ft. Eli Preiss – „DNS“
Mit diesem Feature treffen zwei Alpha-Baddies aufeinander, die ihre Boss-Energy in der „DNS“ haben. Das ist ihnen allerdings auch mehr als bewusst: „Bin eine Alpha-Bitch und deshalb will ich auch ein Alpha-Boo“. Die beiden kennen ihren Wert, feiern sich selbst und stehen für Solidarität: „Wie Megan Thee Stallion, ich zieh‘ Täter zur Rechenschaft“. Auf einen bösen Beat mit vibrierenden Bässen von dem Produzenten Hägi spittet Wa22ermann eine Metapher nach der nächsten, um zu unterstreichen, dass ihr Erfolg selfmade ist: „Vom Boden bis zum Dach, ich hab‘ mich selbst gemacht“. Dabei bekommt sie in der Hook gesangliche Unterstützung von Eli Preiss: „Und fick‘ auf eure Trends, mach‘ mein Ding, bis ich verreck’“. „DNS“ schafft es, mit diesem Spirit anzustecken und ist vor allem auf voller Lautstärke zu genießen.
Prinz Pi – „Nehm noch ein Zug“
Vor einer Woche gab Prinz Pi auf seinem Instagram-Account einen Einblick zum Ort, an dem seine neue Platte WEST-BERLIN momentan entsteht – sein Studio. Nun gibt uns der Rapper mit „Nehm noch ein Zug“ auch musikalisch einen Vorgeschmack auf sein frisches Album. In dem Track trifft Prinz Pis tiefe Stimme auf noch tiefere Bässe von Phonkboy Whyte. Dabei rappt der gebürtige Westberliner über den Moment, in dem man endlich wieder die Kraft findet, sich gegen den inneren tiefen Abgrund zu wehren und aus der eigenen erschaffenen Höhle wieder herauszukommen- „Eine neue Energie, die mich packt / Der ausgelutschte Akku ist nun wieder intakt / Ich mach‘ die Fenster auf, es riecht nach was Neuem.“
Allerdings warten die Erinnerungen an eine verlorene Beziehung bereits da draußen und reißen alte Wunden wieder auf: „Hinter der Bude, wo wir hockten in den Sommernächten / Finger pulten Etiketten nach und nach vom Hals des Becks / Wenn die letzte Kippe wie ein einäugiger Wolf verglomm / Und unser Leben mit unseren Lieblingssongs verschwomm.“ Der schnelle Beat verleiht den nostalgischen Gedanken des Rappers eine schnelle, wütende Dynamik.
Beide Songs liefern eine kleine musikalische Hilfe bei all den Gefühlen, die die Ereignisse in einem hervorrufen: Sei es eine Empowerment-Hymne mit solidarischen Nuancen, die „weniger als alles genügt mir nicht“ schreit oder ein wütender Track über das Wieso? Weshalb? Warum?, in dem man sich an eine Phase zurückerinnert, die besser war.
Rap-Recap: Mit LL Cool J ft. Saweetie und Quavo & Lenny Kravitz
Veröffentlicht auf musikexpress.de am 12.08.2024
LL Cool J bringt einen weiteren Vorgeschmack auf seine LP heraus und Quavo & Lenny Kravitz pimpen einen Klassiker auf.
Während der HipHop-Recap in der vergangenen Woche eine Reise durch die Welt beinhaltete, wird diesmal der Fokus auf die Vereinigten Staaten gesetzt. Schließlich schlossen sich Legenden wie LL Cool J und Lenny Kravitz mit den Rapper:innen und Quavo und Saweetie zusammen. Dabei fusionieren nicht nur Genres, sondern Welten miteinander.
LL Cool J ft. Sweetie – „Proclivities“
LL Cool J kündigte bereits sein 14. Studioalbum THE FORCE für den 6. September an. Dieses Projekt ist die erste Platte vom Rapper seit zehn Jahren, um so fleißiger scheint der 56-Jährige momentan Single-Auskopplungen zu droppen. Mit „Proclivities“ folgt nun der dritte Vorgeschmack, nach dem Titeltrack „The Force“ und „Saturday Night Special“ feat. Rick Ross und Fat Joe. Dabei bringt er nicht nur die gute alte Oldschool-Attitüde wieder an den Start, sondern erinnert auch an frühere seiner Werke.
Ganz im Stil seines Songs „Doin’ It“ aus dem Jahr 1996 geht es auch in „Proclivities“ um Sex und die sexuelle Anziehung. Dafür holt er sich Saweetie auf den synthie-geladenen Track und begibt sich mit ihr im dazugehörigen Musikvideo in ein Labyrinth aus Zimmern. Den Beat zum lässigen Raptrack lieferten niemand Geringeres als Q-Tip und A Tribe Called Quest.
Zur Inspiration hinter THE FORCE sagte LL Cool J in einem Interview mit „ET“: „Anstatt hier rauszugehen und darüber zu reden, was sein sollte, habe ich beschlossen, Musik zu machen und den Leuten zu zeigen, wie HipHop meiner Meinung nach im Jahr 2024 klingen kann.“
Quavo & Lenny Kravitz – „FLY“
Quavo scheint derzeit auf einer Mission zu sein, bei der er in alle Genres Rap einbringt. Aber das scheint dem Rapper aus Atlanta auch zu gelingen. Erst veröffentlichte er im Juli seinen Track „Tough“ mit Pop-Queen Lana Del Rey, nun erscheint ein neues Stück mit dem Rockstar Lenny Kravitz. Wobei das Wort „neu“ hier vielleicht ein wenig unangebracht ist, denn es ist eher modernisiert. Bei „FLY“ handelt es sich nämlich zu Kravitz’ Klassiker aus dem Jahr 1998. Allerdings wurde dem Lied Trap-Drums, neue Vocals und Rap-Parts hinzugefügt. Quavo haucht dem Hit ein neues HipHop-Leben ein und verleiht dem einen Flair, der an die Migos-Ära erinnert.
Zuletzt veröffentlichte Quavo 2023 sein Album ROCKET POWER. Das Besondere an der Platte: Es ist noch sein Neffe und ebenfalls Rapper Takeoff auf dem Song „Patty Cake“ vertreten. Nur einen Monat nachdem die beiden im Oktober 2022 ihre gemeinsame LP ONLY BUILT FOR INFINITY LINKS releasten, starb Takeoff bei einem Schusswechsel in einem Club in Texas. Quavo war ebenfalls anwesend und setzt sich nun gegen Waffengewalt sein.
HipHop-Recap: Mit Apache 207, A$AP Rocky und KitschKrieg
Veröffentlicht auf musikexpress.de am 05.08.2024
Dieses Mal neu: Es gibt zwei Sommerhit-Anwärter und eine quasi Comeback-Single auf die Ohren.
Während Apache 207 sein Tour-Ende mit einem Trip nach „Miami“ zelebriert, teilt A$AP Rocky mit „Highjack“ die erste Single und damit den Anfang seines kommenden Albums DON’T BE DUMB. Und dann sind auch noch KitschKrieg zurück.
Apache 207 – „Miami“
Apache 207 reiste im Rahmen seiner Arena-Tour 2024 quer durch Deutschland, um zahlreiche Konzerte zu spielen. Nun scheint der Rapper seine Koffer zu packen, um an ein wärmeres Ziel zu gelangen. „Miami“ ist nach „Loser“ und „Wunder“ featuring Ayliva Apache 207s dritte Single 2024. Geschlaucht von der Tournee nimmt er im Musikvideo zum neuen Track seine Leute mit auf einen Urlaub in Miami, um dort ausgiebig die Seele baumeln zu lassen – oder eher um einen zweiten Ballermann zu erschaffen.
Dabei trieft „Miami“ nur so vor Sommer-Vibes. Während der Deutschrapper über eine Sommerliebe im Ausland rappt, wird das Ganze noch einmal von Jumpas poppigen Sound unterstrichen. Wer bislang noch nicht seinen Sommer-Hit für dieses Jahr gefunden hat, dem könnte hiermit ausgeholfen sein.
A$AP Rocky – „Highjack“
Während sich Apache 207 langsam von Deutschland entfernt, scheint sich A$AP Rocky anzunähern. Zumindest musikalisch. Aber erst einmal zurück zum Anfang: Zuletzt veröffentlichte A$AP Rocky 2018 sein Solo-Album TESTING und machte es seither plattentechnisch seiner Partnerin Rihanna ziemlich gleich, indem er außer einzelnen Singles keine größere musikalischen Projekte lieferte. Gründe dafür gab es genügend – er arbeitete in der Zeit in der der Modebranche, brachte Kollektionen mit unter anderem Mercedes Benz und AWGE heraus, war das Gesicht von Dior Homme und wurde zudem zweifacher Vater.
Doch nun soll mit DON’T BE DUMB ein ganzes Album am 30. August folgen. Und wie es klingen könnte, zeigt A$AP Rocky mit dem ersten Track „Highjack“. Das Stück überrascht soundtechnisch mit Abwechslungen. Natürlich fehlt es nicht an tiefen Bässen und säuberlich gerappten Parts, allerdings bietet „Highjack“ auch eine ruhigere Seite. Das dürfte wohl der kalifornischen Folk-Pop-Sängerin Jessica Pratt zu verdanken sein, mit der Rocky für den Song zusammenarbeitete. Wie der zweifache Grammy-Nominierte zuvor in einem Interview mit „Apple Music 1“ erklärte, verlieh Pratt seinem Track einen „Portishead- meets Stevie-Nicks-Vibe“. Lauscht man genauer, kann man allerdings weitere Stimmen erkennen. Das liegt daran, dass Creed B Good und Jon Batiste Vocals für den Hintergrundgesang beigesteuert haben. Über den Klang des Songs sagt A$AP Rocky selbst, „[…] wir kommen auch mit einer ganz neuen Ästhetik, vor allem mit dem deutschen Expressionismus und dem ganzen Ghetto-Futurismus-GR1M-Ding“.
DON’T BE DUMB wird das vierte Studioalbum des Rappers sein. Bereits bei seinem Vorgänger TESTING gab es eine Anhäufung prominenter Gastbeiträge durch Frank Ocean, Kid Cudi, Skepta, Kodak Black, Dev Hynes und FKA Twigs. Das neueste Werk scheint nicht weniger zu bieten, denn bei einer Listening Session Ende Juli in New York konnte man bereits in einige Tracks reinhören. Demnach sollen J. Cole, Slick Rick, Morrissey und Tyler, the Creator auf der LP vertreten sein. Darüber hinaus sollen Madlib, Pharrell Williams, The Alchemist, Dean Blunt, Metro Boomin, Mike Dean und die Swedish House Mafia am Sound mitgewirkt haben.
KitschKrieg feat. Future, Fridayy & Mariah The Scientist – „Slow Down“
KitschKrieg befindet sich praktisch zwischen den Welten: Irgendwo zwischen der deutschen und der US-amerikanischen Musikindustrie. Das Produzententeam aus Berlin, das für Zusammenarbeiten mit bekannten deutschen Artists wie Trettmann bekannt geworden ist, zog vor gut einem Jahr in die USA und macht nun von dort aus die Musikszene unsicher. Wie das aussehen kann, zeigt ihre Single „Slow Down“, für die sie sich Future und Fridayy & Mariah The Scientist dazugeholt haben. Sie lassen R&B, Rap und Afrobeats miteinander fusionieren und bieten dazu tiefe Beats mit neuen sommerlichen Gute-Laune-Soundeffekten. Dabei unterstreicht das Stück auch musikalische KitschKriegs Reise und neuen Erfahrungen, die auf ihrem neuesten Werk GERMAN ENGINEERING ZWEI noch einmal weiter ergründet werden sollen. Die Platte wird am 15. November erscheinen und noch mehr US-amerikanische Gastbeiträge liefern.
GERMAN ENGINEERING ZWEI ist der Nachfolger von GERMAN ENGINEERING 1, das im Juli 2023 erschien und Features von unter anderem Nemmz, Art und Anti Da Menage beinhaltete.
HipHop-Recap: Mit Ice Spice, Central Cee und Shirin David
Veröffentlicht auf musikexpress.de am 29.04.2024
Neben der Deutschrap-Szene sorgt diesmal auch der UK- und US-Rap für jede Menge Banger.
Diesmal bereisen wir die Rapwelt mit US-Künstlerin Ice Spice, UK-HipHopper Central Cee und der Deutschrapperin Shirin David. Während David ihren ersten Song für 2024 veröffentlicht, erscheint nun Ice Spices gesamte Debütplatte, auf der auch Central Cee vertreten ist. Dies hält den Rapper allerdings nicht davon ab, auch selbst einen Track herauszubringen.
Ice Spice – Y2K!
Seit 2021 veröffentlicht Ice Spice Rap-Tracks und erlangte nur zwei Jahre später mit „Munch (Feelin‘ U)“ ihren Durchbruch. Seither lieferte sie zahlreiche Hits mit prominenten Namen. So war sie auf der Remix-Version von Taylor Swifts „Karma“ zu hören oder holte sich Nicki Minaj für ihre eigenen Song „Princess Diana“ dazu. Es folgte eine Chartplatzierung nach der nächsten, wodurch man schnell den Fakt übersah, dass Ice Spice tatsächlich noch kein Album auf den Markt gebracht hatte – bis jetzt. Mit Y2K! folgt nun ihre Debüt-LP mit insgesamt zehn Tracks und Gastbeiträgen von Central Cee, Travis Scott und Gunna. Vorab veröffentlichte die 24-Jährige ihre Singles „Phat Butt“, „Gimmie a Light“ und „Think U the Shit (Fart)“ als Vorgeschmack. Wobei letzteres nicht nur auf den sozialen Medien viral ging, sondern mit Platz 39 auch ihr Solo-Projekt mit der höchsten Position bei den US-amerikanischen „Billboard Hot 100“-Charts ist.
Central Cee – „gen z luv“
Während Central Cee auf Ice Spices Platte mit „Did It First“ über das Bedürfnis nach Rache in einer toxischen Beziehung rappt, scheint die Welt in seiner eigenen Single „gen z luv“ wieder anders auszusehen. Zwar befasst er sich auch hier mit den negativen Seiten einer jungen Liebe, doch unterstreicht er auch die positiven Aspekte.
Er erklärt, wie er den gemeinsamen Kindern die Beziehung und das Kennenlernen beschreiben würde. Es hätte einige Hürden gegeben, weil sie eine Trennung hinter sich gebracht hat und ihm noch nicht ganz vertraue. Doch auch wenn ihm durch seine Rap-Karriere einige Interessentinnen geboten werden, würde er sich ab jetzt nur auf diese eine Person fixieren wollen.
Shirin David – „Bauch Beine Po“
Wenn man die zwei neuen Songs „Periodt“ und „Heidi“ nicht mitzählt, die 2023 plötzlich auf der veränderten Tracklist ihres 2021 erschienenen Album BITCHES BRAUCHEN RAP auftauchten, ist „Bauch Beine Po“ Shirin Davids erster Release seit „Lächel Doch Mal“ (2023) – zumindest eines komplett neuen Songs. Und noch bevor das Lied in voller Form veröffentlicht wurde, sorgte das Snippet vorab für viele Diskussionen. In dem war nämlich bereits die Hook zu hören, in der die 29-Jährige folgendes rappt:
„Du willst ein’n Body?/Dann musst du pushen/Bist du ein Hottie/Werden sie gucken/Geh’ ins Gymmie, werde skinny, mach‘ daraus eine Show/Wir sind pretty im Bikini, das ist Bauch, Beine, Po“
Besonders die Aufforderung „skinny“ zu werden, um „pretty im Bikini“ zu sein, spaltete die Meinungen. Während einige sich von der Rapperin enttäuscht zeigten, weil sie zuvor ihre Songinhalte dazu nutzte, die Individualität des weiblichen Körpers zu zelebrierte und für Body Positivity einzustehen, sahen andere kein Problem im Inhalt der Hook. Hinzukommend gab es eine dritte Partei, die den Song damit entschuldigten, dass auch die Rapperin ein Opfer des Patriarchats sei, weshalb es auch ihr nicht immer gelingen könne, sexistische Vorstellungen über den weiblichen Körper abzulegen. Puh! Und das alles, bevor der Track überhaupt in voller Länge zu hören war.
Auch wenn einige User:innen in den sozialen Medien darauf hinwiesen, dass der komplette Song die Hook in einen anderen Kontext setzen könnte, kann man nun sagen: Die Thematik ist dieselbe geblieben. Auch wenn sie mit „Bauch Beine Po“ einen neuen Sound mit elektrischen Einflüssen präsentiert, geht es inhaltlich hauptsächlich darum, sportlich und finanziell abgesichert zu sein.
Betrachtet man alleine die Kommentarspalten unter dem dazugehörigen Musikvideo, erkennt man schnell, dass die Debatte um den Song noch länger andauern wird. Während „Bauch Beine Po“ für manche einen selbstbewussten Song darstellt, der sie beim nächsten Fitnessstudiobesuch motiviert, die Extra-Meile zu gehen, repräsentiert er für andere einen toxischen Track, der einer jüngeren Generationen an Frauen ein falsches Körperbild vermitteln könnte.
HipHop-Recap: Mit LL Cool J, Bounty & Cocoa und Eunique
Veröffentlicht auf Musikexpress.de am 17.06.2024
LL Cool J is back! „Saturday Night Special“ ist ein Vorgeschmack auf sein erstes Album seit über zehn Jahren.
Was uns hier erwartet: LL Cool J hat auf seinem Instagram-Account mitgeteilt, dass sein 14. Album noch 2024 erscheinen soll und mit „Saturday Night Special“ hat er auch schon die erste Single-Auskopplung geliefert. Eunqiue rappt in „DoReMiFaSo“ darüber, sich mehr denn je auf ihre Karriere zu fokussieren und das Duo Bounty & Cocoa erklärt uns die Vorteile Berlins.
LL Cool J ft. Rock Ross & Fat Joe – „Saturday Night Special“
Zuletzt veröffentlichte LL Cool J 2013 sein Album AUTHENTIC. Allerdings hat der US-Rapper seither keine musikalische Pause eingelegt. Er droppte EPs, Singles und trat 2023 anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des HipHops bei den Grammy-Verleihungen auf. Trotzdem kam die Ankündigung einer neuen Platte, die noch in diesem Jahr erscheinen soll, ziemlich überraschend. Der 56-Jährige meinte bereits 2023, dass ein Album noch im selben Jahr folgen werde, an dem er gemeinsam mit Produzent Q-Tip gearbeitet hat. Schlussendlich kam die Platte jedoch nie heraus, denn LL Cool J sei mit dem Resultat nicht zufrieden gewesen. Dass er es diesmal ernst meint, beweist alleine seine Ankündigung. Samstag (8. Juni) meldete er sich auf seinem Instagram-Account zu Wort, um seine neuste LP anzumelden, dessen Titel, Tracklist und Features bislang noch unbekannt sind. Der Hauptfokus des Videos lag allerdings auf der ersten Single-Auskopplung, die nur sechs Tage später folgen sollte.
Und hier haben wir nun „Saturday Night Special“. Der erste Song von LL Cool J 2024, der Gastbeiträge von niemand Geringeres als Rick Ross und Fat Joe beinhaltet. Mit letzterem arbeitete der New Yorker Rapper bereits 1995 für seinen Track „I Shot Ya“ zusammen, der später auf seinem SMITH-Album landete. Und um was könnte es in einem Song mit drei Rap-Legenden sonst gehen, wenn nicht um die Hauptregeln des Raps. Dafür sprechen sie über einen Rapper (es ist unklar, ob sie eine echte oder hypothetische Person beschreiben), der vieles als respektlos empfindet und sich zu sehr auf die Partys, das Geld und seinen Ruf konzentriert, statt den Fokus auf den Hustle und sein Können zu setzen: „Million on the wrist, quick to skip a battle rap/Corvette club, wavin‘ Maybach flags/Hunnid for yachts, jumpin‘ waves, runnin‘ laps/Really just wanna smoke, really just wanted peace/The n****s who want the most, some might end up with the least.“
Das Musikvideo, das unter der Regie von JakeTheShoot entstand, zeigt das Trio schlicht in Schwarz-Weiß vor einem Maybach stehend, während sie auf einen Oldschool-HipHop-Beat von Q-Tip rappen.
Bounty & Cocoa – „Area Codes“
Für Bounty & Cocoa gilt: Veröffentlichen, veröffentlichen und nochmals veröffentlichen. Im Juli 2023 kam ihr Album BODEGA heraus und seither erscheint eine Single nach der anderen. Zuletzt folgte Mitte April mit „French Nails“ ein Track mit Badmómzjay, nun geht es vom Nagelsalon auf eine wilde Autofahrt durch Berlin. In „Area Codes“ schwärmt das Rap-Duo von der Vielfalt der Hauptstadt: Ob das touristische Mitte, die HipHop-Szene Moabits oder auch die Partys in Rummelsburg.
Auf einem sommerlichen Beat von youssef exclusive und Robert Wy geben uns Bounty & Cocoa einen Einblick in ihr Leben in Berlin, wo man früher noch im Mauerpark abhing und nun in der Adenauer am Start ist.
Eunique – „DoReMiFaSo“
Wer Eunique schon eine Weile mitverfolgt, dürfte bereits bemerkt haben, dass die Deutschrapperin inhaltlich ihren Fokus besonders auf eines legt – aufs Hustlen. Die gebürtige Hamburgerin rappt meist über ihre Träume, ihren Ehrgeiz und vor allem sich von niemanden aufhalten zu lassen. Was eine Zeit lang nicht gerade einfach für Eunqiue war, denn sie befand sich 2020 in einem Streit mit ihrem damaligen Management, was die Rapperin dazu veranlasste, erst einmal keine Musik mehr zu veröffentlichen. Anschließend folgten einige Singles und ihr Album SPLIT, in denen sie mit vielen abrechnete und auch feministische Statements wie in „Lost“ setzte.
Auf der Platte rappte sie meist über Ereignisse in ihrem Leben oder die Erfahrungen ihrer Freund:innen und unterstrich alles mit der Ansage, sich nicht klein kriegen zu lassen. Sowohl thematisch als auch raptechnisch scheint die 28-Jährige in „DoReMiFaSo“ alles verdoppelt zu haben.
Eunqiue erklärt, weiter und mehr für ihren Traum einer Rap-Karriere kämpfen zu wollen. Mit ordentlich viel Auto-Tune rappt sie darüber, sich nicht mehr ihre Energie von anderen klauen zu lassen. Das passende Instrumental lieferte Driso dazu.
HipHop-Recap: Mit Gunna und Celo & Abdi ft. Summer Cem und Nimo
Veröffentlicht auf Musikexpress.de am 06.05.2024
Celo & Abdi geben sommerliche Vibes und Gunna serviert einen clubtauglichen Trap-Beat.
Diese Woche dabei: Gunna droppt mit „Whatsapp (Wassam)“ seine dritte Single 2024 und das Rap-Duo Celo & Abdi tut sich mit Summer Cem und Nimo für den Track „So So Def“ zusammen.
Gunna – „Whatsapp (Wassam)“
Im Juni 2023 veröffentlichte Gunna sein viertes Studioalbum A GIFT & A CURSE und erlangte damit Platz eins der US-amerikanischen Billboard HipHop-/R&B-Album-Charts. Anfang 2024 folgten dann seine beiden Singles „Bittersweet“ und „Prada Dem“, die wie sich vor einigen Wochen herausstellte, Teil seiner neuen LP ONE OF WUN sein werden. Nun nutzte der 30-Jährige seinen jetzigen Release „Whatsapp (Wassam)“, um eine weitere Bombe platzen zu lassen: Das Album soll bereits am 10. Mai erscheinen.
„Whatsapp (Wassam)“ repräsentiert einen für Gunna typischen, selbstbewussten Rap über seinen Erfolg. Und auch der von Turbo produzierte basslasstige Trap-Beat erinnert an vergangene Werke des Musikers aus Atlanta. Neben Angebereien erklärt Gunna inhaltlich aber auch, dass sich harte Arbeit auszahlt. Und dass er hart arbeiten kann, zeigt er mit seiner aktuell gestarteten Nordamerika-Tour „Bittersweet“.
Celo & Abdi ft. Summer Cem und Nimo – „So So Def“
Nicht nur von Gunna ist ein neues Album in den Startlöchern: Auch Celo & Abdi haben bereits ihr neues Werk DUO NUMERO UNO angekündigt. Einen Vorgeschmack gibt das Duo nun mit „So So Def“. M3 lieferte den Beat, der ein Sample des 2007er-Hits „Baby Don’t Go“ von Fabolous ft. Jermaine Dupri ist.
Inhaltlich geht es hier erstrangig um Besitztümer und das Loben seiner eigenen Rapskills, doch die vier Künstler schaffen es auch, mit ihren jeweiligen Parts für Abwechslung zu sorgen und gleichzeitig miteinander zu harmonieren. Der Song kombiniert Frankfurter Rap mit Sommer-Vibes und ist ein Leckerbissen für alle, die auf 2000er HipHop stehen.
HipHop-Recap: Mit Badmómzjay, Loredana und LIZ
Veröffentlicht auf musikexpress.de am 16.02.2024
Badmómzjay resümiert ihre Skills, LIZ spricht über Schattenseiten und Loredana ist verliebt.
Die Rap-Szene zeigt sich in dieser Woche dankbar. Und diesmal weniger prallend als bodenständig. Auch wenn die Betonung auf „weniger“ liegt. Aber es ist auch in Ordnung, sich selber und den Erfolg zu zelebrieren. Solange es nicht repetitiv wird, muss man nicht immer zum Lachen in den Keller oder zum Angeben in die Tiefgarage mit den Sportwagen gehen. Wie eine gesunde Mischung aussehen kann, zeigt Badmómzjay in ihrer neuen Single „Blessed“. Loredanas „Segen“ ist dagegen ihr derzeitiger Freund und Fußballspieler Karim Adeyemi, dem sie mit „27“ ein Liebeslied widmet. LIZ serviert dagegen eine ganze Palette an Emotionen mit ihrem zweiten Album AMY WINEHOUZE.
Badmómzjay – „Blessed“
Badmómzjay veröffentlichte im November 2023 ihre zweite Platte SURVIVAL MODE und kündigte nur wenige Wochen später ihr neues Mixtape DON’T TRUST BITCHES für den 8. März 2024 an. Mit „Blessings“ folgt nun ein Vorgeschmack auf das neue Werk, in dem sie hervorhebt, dass große Erfolge auch viel Arbeit mit sich bringen: „Ich war früher schon so drauf, ja, hustle ganzen Tag lang/Dieses Rap-Ding ist kein Spaß, Mann“. Doch die Mühe zahlt sich letztendlich aus, denn „keiner ist so clean auf den Tracks“ und damit hat die 21-Jährige recht. Auf einen bouncigen Beat von Rych und ihrem Stammproduzenten Jumpa verteilt Badmómzjay in dicht getakteten Raplines einige Seitenhiebe. Trotzdem versteht man jedes einzelne Statement: „Dein Rap läuft beim Autoscooter, keiner will den Text hör’n“. Dabei scheint die Rapperin nur beim Ansetzen zur Hook Luft zu holen und damit nicht nur mit materiellen Dingen „Blessed“ zu sein. Umso interessanter wird es, wenn Badmómzjay diesen Track eines Tages live rappt – gerade, weil sie dafür bekannt ist, bei Auftritten auf kleine Playblack-Stützen zu verzichten.
Loredana – „27“
Nachdem Loredana bereits einen „Lovesong“ Ende Januar releaste, kommt nun eine zweite Hommage an ihren derzeitigen Partner in Crime. Dabei referiert sich die Zahl im Songtitel auf die Trikotnummer, die Karim Adeyemi für Borussia Dortmund trägt. Im Gegensatz zu „Lovesong“ ist „27“ allerdings weniger poppig als sanft. Fast schon balladig. Das Instrumental von Chekaa startet erst seicht mit Gitarrenzupfern, die den Takt vorgeben, bevor der Song ab der Mitte clubiger wird. Dem schmiegt sich die Stimme der Rapperin an, in dem sie anfänglich singt, bevor sie ihre Rap-Skills wieder auspackt. Sie spricht über die Sicherheit und Wertschätzung, die sie von Adeyemi bekommt: „Ich mal‘ das Leben in Farben/Und das nur, seitdem du da bist/Du heilst mich und meine Narben“.
Wer sich an Valentinstag eher verkrochen und kein Bock auf die rosaroten, meist materiellen Liebesbeweise hatte, nun ja, für den oder die wird der Song vielleicht nicht gerade zu einem passenden Zeitpunkt kommen. Doch mit „27“ zeigt Loredana eine neue musikalische Seite von sich und beweist, dass ihr weiche Balladen genauso gut stehen wie harter Straßenrap.
LIZ – AMY WINEHOUZE
LIZ verschob den Release ihrer zweiten LP mehrere Male und ließ dadurch die Neugier auf ihr neues Werk immer größer werden. Nun ist die Platte mit insgesamt 15 Tracks draußen. Und obwohl sie nur 36 Minuten lang ist, gibt die gebürtige Frankfurterin darin einiges über ihr Leben, Heranwachsen und ihre Gedanken preis. Bereits soundtechnisch stellt AMY WINEHOUZE eine Achterbahnfahrt dar, die es allerdings genau abzuschätzen weiß, wann die nächste Kurve angebracht ist. Mit „Main Grau“, eine Ode an ihre Heimatstadt, fährt der Waggon mit einer seichten Melodie die Gleise hoch und schafft es so der Tiefgründigkeit der Hass-Liebe-Beziehung zwischen der Rapperin und der Stadt am Main einen Raum zur freien Entfaltung zu geben. Es hat den Anschein, einen kleinen Einblick in die Person und nicht die Künstlerin LIZ zu erhalten. An der Spitze des Hügels angekommen, schleudert einen der Clubsong „Billie Jean“ mit seinen schnellen Beats den Abhang hinunter.
Während mit „Eins Zwei“ aggressiver Rap folgt, bietet „Gangster tanzen nicht“ eine elektronische Note, die sogar Gangster zum Tanzen animiert. Ab dann scheinen sich Straßenrap, romantische Flows mit tiefen Texten und raveähnliche Tracks immer wieder nacheinander abzulösen, bis LIZ mit dem wohl rührendsten Song „Hör Auf“ auf das Ende des Albums vorbereitet. Wie in einer letzten, unerwarteten, leichten Kurve, bevor man den letzten Höhepunkt der Achterbahnfahrt erreicht. In dem Lied spricht LIZ über das Heranwachsen in einem gewalttätigen Haushalt. Eine toxische Ehe der Eltern, die aufgrund der Angst, wie es nach außen wirken könnte, kein Ende findet. Unheimlich intime Einblicke, die die 25-Jährige in die Beziehung zu ihren Eltern und der Stärke ihrer Mutter gibt. Apropos starke Mutter: Natürlich gibt bei einer richtig guten Loopingbahn noch einmal einen fetten Fall ins Nichts, bevor man Richtung Ausgang tuckert und sich von den Sicherheitsgurten befreien kann. Dafür sorgt der Abschlusssong „Tochter meiner Mutter“, in dem LIZ auf einen Moshpit-Track raptechnisch noch einmal alles wegfetzt und erklärt, dass man sie so schnell nicht kleinkriegt.
HipHop-Recap: Mit Little Simz und Layla
Veröffentlicht auf Musikexpress.de am 09.02.2024
HipHop trifft auf verschiedene Genres: Die beiden Rapperinnen zeigen sich facettenreich.
Die HipHop-Empfehlungen dieser Woche kommen überraschend und überraschend anders als erwartet. Little Simz veröffentlicht ohne Vorankündigung den siebten Teil ihrer nun schon zehnjährigen EP-Reihe DROP 7. Und auch wenn ihr letztes Album NO THANK YOU nicht einmal zwei Jahre jung ist, präsentiert die 29-Jährige einen neuen, clubigeren Sound. Das heißt allerdings nicht, dass er einfach zu greifen sei. Sie nutzt dafür so gut wie jeden tanzbaren Beat und Genre-Einfluss. Wer am Freitagabend lieber zu Hause bleiben, sich ein paar Duftkerzen anzünden und Selfcare-Sunday um zwei Tage vorziehen möchte, hat mit Laylas neuem Track „Lügenbold“ die perfekte musikalische Begleitung dazu. Die gebürtige Hamburgerin wechselt hier nämlich Rap durch R&B-Gesang aus.
Layla – „Lügenbold“
Wer Layla nun etwas länger mitverfolgt, weiß, dass die Rapperin gerne mit verschiedenen Genres herumspielt. Aber wieso auch nicht? Ihre warme Stimme versteht es sich an smoothe Melodien anzuschmiegen oder elektronische Beats zu zügeln. 2020 veröffentlichte Layla größtenteils Singles, die vor allem ihre Rapskills hervorhoben und bewiesen, wie geschmeidig HipHop sein kann. Auch auf ihrer 2021 erschienenen EP TRABOE bewegt sie sich irgendwo zwischen Rap und R&B. Dazu sei gesagt: Layla rappt, keine Frage. Es ist eher der entspannte und selbstbewusste Flow, der an R&B erinnert. Ganz so vorhersehbar war ihr neuer Track trotzdem nicht, denn 2022 folgten mit „Pose“ ein harter elektronischer Sound und mit „Poster Girl“ ein paar Monate später schnelle, wilde Beats. 2023 kombiniert sie dann das Beste aus beiden in „Waterloo“. Und jetzt singt sie den zweiminütigen Song „Lügenbold“ komplett durch.
Layla beschreibt dabei eine monotone Liebesbeziehung, in der man angefangen hat, dem anderen nur „die halbe Wahrheit“ zu erzählen. Eine Verbindung, die man nicht mehr aus Liebe, sondern aus der Angst vor der Einsamkeit aufrecht erhält. Das Resümee: Es verhindert keine Trennung, sondern zieht sie nur hinaus, denn letztendlich gilt: „Jede Unwahrheit will ins Licht zurück, jede Unklarheit spricht für sich.“ Der Produzent Urban unterstreicht Laylas sanfte Stimme mit einem harmonischen, ruhigen R&B-Instrumental.
Little Simz – DROP 7
Nach ihrem Überraschungsalbum NO THANK YOU 2022 folgt nun die ÜBERRASCHUNGS-EP DROP 7. Und auch soundtechnisch lässt es sich Little Simz den „Warte, was?!“-Effekt nicht nehmen, denn sie serviert Clubmusik – aber gleich für zwei verschiedene Dancefloors. Erstrangig gibt uns die gebürtige Britin elektronische, straffe Beats für den nächsten Rave und gleichzeitig sorgen unterschwellige Reggeaton- und Trap-Einflüsse à la Rio de Janeiro für eine Fusion zweier Partys. Und all das trifft auf Rap. Und auf Gesang. Klingt nach einem wilden Mix, ist es beim ersten Reinhören auch. Beim zweiten entpuppt sich allerdings ein Zusammenspiel der Genres: Sie ergänzen sich, verschmelzen miteinander oder lösen sich gegenseitig ab.
Alles anders als erwartet
Insgesamt hat DROP 7, passend zum Titel, sieben Tracks und wurde diesmal nicht von Little Simz Stammproduzenten Inflo, der 2019 an GREY AREA mitwirkte, sondern von Jakwob produziert. Starten tut alles mit dem Song „Mood Swings“, der mit seinem Flow Little-Simz-Fans wachrüttelt und offiziell die experimentelle Ära einläutet. Ein durch und durch elektronischer Sound, der zugleich immer wieder von dominanten Trommeln abgelöst wird. Little Simz rappt mal langsamer, gleitet fast schon in den Gesang hinein, bis der Beatwechsel wieder harte Rapparts hervorholt. Electronic Dance trifft auf HipHop und Grime, während die Trommeln leicht an Funk mandelão erinnern. Wer den brasilianischen Einfluss hier überhört, dem wird es spätestens im nächsten Song „Fever“ bewusst. Denn neben Reggaeton-ähnlichem Sound wechselt Little Simz hier und da auch mal ins portugiesische. Wenn auch mit starkem Akzent rappt sie smooth zum Flow des Songs, bis „Torch“ dann wieder HipHopiger wird. Es erscheint wie ein Raptrack mit elektronischen Touch, in dem beide Genres vollkommen zu verschmelzen scheinen. In „I Ain’t Feelin It“ und dem kurzen Interlude-ähnlichen „Power“ übernimmt dann Rap wieder die Oberhand bis zum letzten Track „Far Away“, wo die 29-Jährige das vorherige Konzept wieder komplett zur Seite klatscht und durchgängig singt.
Drop 7 ist wohl mit Abstand Little Simz’ experimentellstes Werk. Gerade, wenn man denkt, man hätte es durchschaut, schmeißt die Rapperin alles um. Es ist untypisch für sie und mag deswegen einige Fans enttäuschen, aber es ist deswegen keineswegs weniger gut als ihre vorigen Platten. Little Simz bietet abwechslungsreiche Musik, zeigt dass Genres keine Grenzen haben, und bietet dadurch bei jedem Hören neue Entdeckungen.
Hiphop-Recap: Mit Nicki Minaj, Luvre47 und Liz
Veröffentlicht auf Musikexpress.de am 02.02.2024
Nicki Minaj sorgt mit ihrem Disstrack für Gesprächsstoff, während Liz eine emotionale Seite von AMY WINEHOUZE zeigt.
Offen und ehrlich präsentieren sich Nicki Minaj, Luvre47 und Liz in ihren Singles in dieser Woche. Diese Ehrlichkeit kann jedoch aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden. Besonders im Falle eines Disstracks sind es manchmal eher die Behauptungen, die für den Gesprächsstoff im Nachhinein sorgen. Wie genau das aussehen kann, zeigen Nicki Minaj und Luvre47, die in ihren Track mit Rap-Kolleg:innen abrechnen. Liz dagegen serviert einen Song, der nicht auf die Rap-Szene zielt, sondern berührend genau über toxische Familienverhältnissen spricht.
Liz – „Hör Auf“
In wenigen Wochen erscheint Liz’ lang ersehntes Album AMY WINEHOUZE. Mit einigen Single-Auskopplungen gab uns die Frankfurter Rapperin bereits ein paar Leckerbissen mit auf den Weg, die uns eine Idee zur LP vermittelten. Mit „Hör Auf“ folgt nun ein emotionaler Track, der über familiäre Konflikte berichtet. Sie rappt über einen Vater, der regelmäßig die Mutter anschreit und schlägt und eine Mutter, die daran zerbricht. Überschattet wird das Leben von einer Ehe, die nicht aufgelöst werden kann, weil sich eine Scheidung nicht „gehört“. Die 25-Jährige blickt auf ihre Jugend zurück, die „von Schlägen geraubt“ wurde und erläutert dabei, inwiefern es sie bis zum heutigen Tag verfolgt. Begleitet wird Liz von einer emotionalen Melodie von madein2k, dessen Beat abwechselnd pulsierend und ruhig auftritt. Mit „Hör Auf“ erschafft Liz einen Track, der einen direkt hineinzieht und zeigt, dass Selbstbewusstsein nicht immer durch Selbstprofilierung entsteht, sondern auch, wenn man sich mit den Schattenseiten des Lebens auseinandersetzt.
Nicki Minaj – „Big Foot“
Kein Song wurde in dieser Woche öfter geteilt, diskutiert und analysiert wie Nicki Minajs „Big Foot“. Der Grund ist simple: Minaj zieht über Rap-Kollegin Megan Thee Stallion her. Ihre gegenseitige Missgunst wurde von beiden Seiten in der Vergangenheit in einige Lines bekannt gemacht, doch nun widmet die 41-Jährige dem Ganzen einen gesamten Song. Von Thee Stallions Körpergröße, auf der auch unter anderem der Titel basiert, bis hin zu Tory Lanez Angriff resümiert die „Pink Friday“-Rapperin so ziemlich jedes „Manko“.
Aber erst einmal zurück zum Anfang: Megan The Stallion veröffentlichte in der vergangenen Woche ihre Single „Hiss“, in der einer Zeile wie folgt heißt: „These hoes don’t be mad at Megan, these hoes mad at Megan’s Law.“ Dabei bezieht sich „Megan’s Law“ auf ein Gesetz, welches Sexualstraftäter in mehreren Bundesstaaten Amerikas dazu verpflichtet, auf einer öffentlich einsehbaren Liste vermerkt zu werden. Da Nicki Minajs Ehemann Kenneth Petty in den 90er-Jahren vier Jahre wegen versuchter Vergewaltigung im Gefängnis verbracht und sich trotzdem nicht auf der Liste registriert hat, wurde er 2021 zu Hausarrest und einer Geldstrafe verurteilt. Dementsprechend dachten viele Hörer:innen, dass sich die „Hiss“-Zeile an Minaj richtet. Anscheinend verstand sie es auch selbst so, denn mit „Big Foot“ antwortet sie darauf. In einem Verse sagt sie konkret: „This little beggin’ whore talkin’ ’bout Megan’s law/For a free beat, you can hit Megan raw“. Damit endet es allerdings nicht, neben „oberflächlichen“ Dissen gegenüber Megans Aussehen wird es im laufe des Tracks immer persönlicher.
Auch für einen eingefleischten Minaj-Fan fängt es im Laufe der Lyrics an, geschmacklos zu werden. Denn sie zweifelt an, dass Thee Stallion von Tory Lanez in die Füße geschossen wurde, da sie keine „Narben“ habe – ist ebenfalls ein Bezug zum Songtitel. Sie geht weiter und nennt als weiteres angebliches Indiz für Thee Stallions „Lüge“, dass die Rapperin in einem Interview mit Gayle King über den Angriff gesprochen, allerdings nicht dabei geweint hat, und beschuldigt sie deswegen auf den Namen ihrer Mutter geschworen und trotzdem gelogen zu haben. Mit vollsten Respekt an die Rapkünste von Queen Nicki, sind solche Anschuldigungen total daneben und aus der Luft gegriffen. Als erstes heißt es, dass weibliche Rapper zu emotional seien, damit man es ihnen dann vorhält, wenn sie nicht weinen. Unabhängig davon, durchlebt jede Person Trauer anders. Dabei machen Tränen vor einer laufenden Kamera eine Aussage weder weniger noch mehr glaubhaft. Disstrack hin oder her, es gibt einen Unterschied zwischen Seitenhiebe verteilen und respektlos sein. Wer sich also Nicki-Minaj-Tracks reinziehen will, dem sei eher ihr Album PRINK FRIDAY 2 als „Big Foot“ empfohlen.
Luvre47 – „Biggie Interlude“
Passend zum Titel rappt Luvre47 auf ein Biggie-Sample von „Everyday Struggles“, das besonders gegen Ende des Tracks präsent wird. Während der Beat von DTP und Chryziz zum Mitnicken animiert, serviert der Deutschrapper harte Lines. Dabei spricht Luvre47 über seinen Alltag, seine Errungenschaften und zukünftigen Ziele: „Denk‘ über Ziele nach und manifestier‘, wo ich hinwill“. Im zweiten Part des Tracks konzertiert er sich dann eher darauf, auszuteilen und die Deutschrap-Szene und dessen Anhänger fertig zu machen:
„Deutscher Rap ist ziemlich peinlich in ’ner Midlife-Crisis/Und färbt sich die Haare bunt mit Mitte dreißig/Und er hält sich für was, was er nicht ist/Labert Scheiße auf Twitch und blamiert sich in TikTok-Livestreams“
HipHop-Recap: Mit Megan Thee Stallion, Ski Aggu und Skepta
Veröffentlicht auf musikexpress.de am 26.01.2024
Ob in Großbritannien, Deutschland oder den USA: Rapper:innen zelebrieren ihre Erfolge.
Wer hätte gedacht, dass Ski Aggu und Megan Thee Stallion Ähnlichkeiten haben? Gut, vielleicht ist das etwas übertrieben. Allerdings steht diese Woche singletechnisch alles unter einem aggressiven Stern. Während Aggu 2024 „Zornig“ durchstartet, gibt Thee Stallion ein paar Seitenhiebe zum Besten, um ins neue Jahr zu starten. Und auch Skepta meldet sich mit „Gas Me Up“ zurück.
Megan Thee Stallion – „Hiss“
Im November 2023 veröffentlichte Megan Thee Stallion ihre Single „Cobra“ und ließ darin ihre Meilensteine Revue passieren. Nachdem sie unter anderem traumatische Erfahrungen wie den Tod ihrer Eltern und Großmutter resümiert hatte, schließt sie damit ab und kündigt ein neues Kapitel an – und dieses scheint mit „Hiss“ (zu dt. „Zischen“) zu beginnen. Thee Stallion „häutet“ sich nicht mehr, sondern „zischt“. Aber was genau bedeutet das? Bei den Veröffentlichungen der Rapperin scheint vor allem eins das übergeordnete Thema zu sein: Die Schlange. Diese nutzt das Zischen zur Einschüchterung und Ankündigung eines Bissangriffs. Genau das spiegelt auch der Songtext wider, denn die 28-Jährige rechnet ab. Mit einer kurzen Ansage: „Ich möchte diesen Scheiß einfach beginnen, indem ich sage: ‚Fuck y’all!‘“ leitet die Grammy-Gewinnerin den Track ein. Dann folgen ein straffer Beat und ein noch strafferes Raptempo.
Dabei scheint sich eine Zeile auch auf den Prozess gegen Tory Lanez zu beziehen, den sie anzeigte, nachdem er ihr in die Füße geschossen hatte. Nach dem gewonnenen Fall hält Thee Stallion fest: „I’m the Teflon Don in the court room/They be throwin’ that dirt, don’t shit stick.“ Der Track strotzt vor Selbstbewusstsein und das kann sich Thee Stallion auch leisten. Schließlich liefert sie erneut saubere Skills und rappt den dreiminütigen Song fast pausenlos durch. Ein Werk, bei dem sich ein genauerer Blick auf die Lyrics lohnt: Thee Stallion weiß, wie man Rap und Entertainment kombiniert. Dabei sorgen einige überspitzte Lines auch mal für ein böses Schmunzeln: „I feel like Mariah Carey, got these n* so obsessed/My pussy so famous, might get managed by Kris Jenner next.“ Definitiv ein Banger, der zurückschlägt oder besser gesagt zubeißt.
Ski Aggu – „Zornig (2024)“
Nach einem durchaus erfolgreichem 2023 mit einigen Auszeichnungen und Hits nutzt Ski Aggu seine Single nun, um sein 2024 zu prophezeien: „Zornig“. Neben der Skibrille ist auch der elektronische Sound Ski Aggus Markenzeichen. Das Instrumental von Dauner und Berky halten dieses bei „Zornig“ auch ein. Allerdings ist der Flow passend zum Titel aggressiver. Und auch wenn der „Dry January“ oder „Veganuary“ schon fast wieder zum Ende kommt, und einige bereits die Abmeldung vom Fitnessstudio ausgefüllt haben, kommen nun zuletzt noch Aggus Vorsätze: „2024 verdiene ich wie İlkay Gündoğan.“ Der gebürtige Berliner hat hohe Ziele nach seinen großen Erfolgen. Auch wenn alles immer mit einer Prise Selbstironie erfolgt: „Meiste Hörer in Deutschland im Monat, Ski Aggu ist Sechster (Ich bin nicht ma‘ Rapper).“ Aber genau das macht den „Nicht-Rapper“ sympathisch und ergänzt das Bild von einer Persönlichkeit, die sich nicht so ernst nimmt.
Skepta – „Gas Me Up“
Apropos: Bodenständigkeit! Nach fünf Jahren wird Skepta mit KNIFE AND FORK ein neues Album auf den Markt bringen. Und der erste Vorgeschmack erfolgt mit „Gas Me Up“, in dem der gebürtige Brite erklärt, dass ihn der Erfolg nicht verändert habe. Melodischer Rap trifft hier auf einen smoothen Beat. Auch wenn das vorab veröffentlichte Single-Cover mehr unpassend als smooth war, und uns die Vorfreude auf neue Musik der Grime-Ikone madig machte – soundtechnisch ist „Gas Me Up“ ein guter Vorreiter fürs Album und macht auf das dazugehörige Musikvideo neugierig, welches heute um 18 Uhr erscheint.
HipHop-Recap: Mit Marsimoto, Prinz Pi und Luvre47 ft. Disarstar & Tjark
Veröffentlicht auf musikexpress.de am 19.02.2024
Die Deutschrap-Szene setzt politische Statements aus verschiedenen Perspektiven.
In den vergangenen Wochen ist einiges passiert. Unter anderem deckte „Correctiv“ einen Abschiebeplan von Rechten und AfD-Vertretern auf. Ein Treffen, welches den Rechtsruck Deutschlands auf fatale Weise unterstreicht. Wenig verwunderlich also, dass die Popkultur vor allem jetzt zu Zettel und Feder greift, um auf systematische Umstände aufmerksam zu machen. Und welches Genre – außer vielleicht Rock – kann besser den Spiegel vorhalten als Rap? Dazu veröffentlicht Prinz Pi den zweiten Teil seiner elf Jahre alten Single „Dumm“, Luvre47 ft. Disarstar und Tjark machen auf Klassenunterschiede aufmerksam, und Marsimoto unterstreicht, wie die „Heile Welt“ in Zukunft aussehen könnte, wenn sich nichts ändert.
Prinz Pi – „Dumm Pt. 2“
2013 erschien Prinz Pis berühmt-berüchtigtes Album KOMPASS OHNE NORDEN, bei dem „Dumm“ auf der Trackliste war. Nun veröffentlichte der 44-Jährige den zweiten Part der Single auf seiner im Februar kommenden POLARIS EP. Passend dazu ist auch das Cover eine Hommage an die LP, denn sie zeigt den Rapper im 3/4-Profil vor einem Himmelsbild. Statt einer Sonnenbrille trägt er jetzt jedoch eine Lesebrille, und auch seine Stimme scheint mittlerweile ein wenig tiefer. Die Thematik der Single bleibt allerdings die gleiche: Der Wunsch, so dumm zu sein wie ignorante Routinefanatiker der wohlhabenden Mittelschicht. Satirisch spricht Prinz Pi über die Hoffnung, durch das Hinwegblicken glücklicher zu werden – oder zumindest so tun zu können.
Marsimoto – „Heile Welt“
Das außerirdische Alter-Ego des Deutschrappers Marteria verabschiedet sich nach 17 Jahren mit seinem letzten Album KEINE INTELLIGENZ, das am 20. April erscheinen soll. Mit „Heile Welt“ kommt nach „GAGA“ nun der zweite Vorgeschmack auf das neue Werk. Typisch für Aliens betrachtet Marsimoto die Erde und die darauf geschehenen Ereignisse aus dem Weltall. Auf einem Sample von 1971 gibt er uns einen Einblick in eine postapokalyptische Zukunft, in der bei 60 Grad kein Mensch und damit kein Problem mehr auf der Welt lebt: „Und von hier oben ist die Welt so schön/Ja, der Mensch, der war hier das Problem.“
Luvre47 ft. Disarstar & Tjark – „Trümmer“
In „Trümmer“ thematisiert das Trio die Perspektiv- und Hilflosigkeit im Block. Dabei unterstreichen sie, wie Menschen in Armut vom System übersehen und gleichzeitig von Politikern kritisiert werden, die ein solches Leben nicht beurteilen können. Luvre47, Tjark und Disarstar beschreiben in dem Track die Geldgier von Menschen und wie Klassifizierung den Wert von Geld über den des Menschen stellt. Durch einen smoothen Beat und die ruhige Melodie von DTP wird die düstere, emotionale Atmosphäre noch einmal abgerundet
„Krieg‘ Hass, wie Politiker reden und reden/Doch hab’n unser Leben nicht ein’n Tag geseh’n/Ja, trag mal die Tüten mit siebzig und Rücken/Wenn der Aufzug Wochen nicht geht in den Zehnten/Ja, sag, wie man satt wird mit nichts zwischen Zähnen/Haufen Problemen und Schmerz auf der Seele/Die hinterzieh’n Steuern und labern von Regeln“
HipHop-Recap: Mit Lil Nas X, 21 Savage und K.I.Z.
Veröffentlicht auf Musikexpress.de am 12.01.2024
K.I.Z. kritisiert die Auffassung von „Frieden“, während Lil Nas X die Rolle des Retters Jesus Christus übernimmt.
Aiaiai! Die Rap-Szene hat in dieser Woche wirklich viele interessante Momente zu bieten: K.I.Z. kritisieren das Verständnis von „Frieden“, Lil Nas X schlüpft für sein musikalisches Comeback in die Rolle von Jesus Christus, und 21 Savage beschreibt seine eigene Interpretation des AMERICAN DREAM. Puh! Das sind wirklich viele Eindrücke, aber wir haben sie für euch zusammengefasst.
Lil Nas X – „J Christ“
Nach zwei Jahren Pause feiert Lil Nas X seine musikalische Wiederauferstehung. Und wie könnte man das prägnanter machen, als einen der bekanntesten Messiasse nachzuahmen?! Während der queere Jesus wahrscheinlich so einige Christen schockieren dürfte, ist das Musikvideo auf jeden Fall ein Hingucker. Direkt zu Beginn des Videos wird eine Reihe aus weißbekleideten Menschen gezeigt, die die Himmelstreppe nach oben steigen. Ganz vorne mit dabei: Kanye West, Mariah Carey, Oprah und Barack Obama. Oben erwartet sie dann Lil Nas X als sexy Jesus. Neben Tanzszenen oben ohne in Regenströmen oder einen Kampf gegen den Teufel ist natürlich auch eine Kreuzigung dabei. Provokationen, die sicherlich für viel Aufmerksamkeit sorgen werden und gleichzeitig noch immer notwendig sind. Schließlich vertritt die Religion oft noch immer Ansichtsweisen im Bezug auf Liebe und Sexualität, deren Staubschicht wahrscheinlich dicker ist als die Bibel selbst.
K.I.Z. – „Frieden“
Apropos notwendige Neudefinition: K.I.Z. unterstreichen in ihrer neuen Single den Dualismus hinter dem Begriff „Frieden“. Dabei bezieht man sich meist auf die westliche Kultur, wenn man über „Weltfrieden“ spricht, und ignoriert gerne die andere Seite der Medaille dabei komplett: „Unterricht fällt aus in der ganzen Schule / 9/11, Schweigeminute / Und ich rechne aus: Wie viele Minuten wären / Das für eine Million Ruandesen / Und ’ne Million tote Irakis nur durch das Embargo?“. In versierten Lines erklären die Jungs, wie meist Krieg unter dem Deckmantel des „Wir wollen damit für Frieden sorgen“ geführt wird, aber tatsächlich ein Machtkampf dahinter steckt: „Na klar sind wir für Frieden, aber erst müssen wir gewinnen“. K.I.Z. bringen in „Frieden“ eine provokante Zeile nach der nächsten, in der wohl keiner von Kritik verschont bleibt.
21 Savage – AMERICAN DREAM
Nur ein paar Tage nach der überraschenden Ankündigung veröffentlicht 21 Savage nun sein drittes Solo-Album AMERICAN DREAM. Zwar veröffentlichte der US-Rapper 2022 gemeinsam mit Drake ihre Kollaboplatte HER LOSS, doch ist sein letztes Solo-Projekt bereits sechs Jahre her. Dafür kommt nun ziemlich viel Output auf einmal, denn auf den insgesamt 15 Tracks sind zahlreiche prominente Gäste wie Doja Cat, Travis Scott und Summer Walker vertreten. Und auch für die Produktion arbeiteten Namen wie Metro Boomin und Burna Boy zusammen. Soundtechnisch serviert die Platte einen entspannten Flow, der auf lässigen und trotzdem auf den Punkt gebrachten Rap trifft. Lyrisch thematisiert der 31-Jährige seine Lebensgeschichte und seinen Werdegang, indem er einen Bogen von den Anfängen bis zur Gegenwart spannt.
Biopic über 21 Savage:
Die Storyline der Platte ist dabei nicht willkürlich entstanden, denn sie steht in Verbindung mit dem Biopic „American Dream: The 21 Savage Story“, das am 4. Juli 2024 erscheinen soll. Darin wird das Heranwachsen und die persönlichen Krisen des Rappers veranschaulicht. Rap-Kollege und Schauspieler Childish Gambino wird dabei in die Rolle des erwachsenen 21 Savage schlüpfen, während „Stranger Things“-Darsteller Caleb McLaughlin die jüngere Version spielen wird. Regie führen bei dieser filmischen Biografie Stephen Glover, Jamal Olori, Fam Udeorji und Luis Perez.
HipHop-Recap: mit OG Keemo und Ufo361
Veröffentlicht auf Musikexpress.de am 08.01.2024
Was können die neuen Werke von OG Keemo und Ufo361? Hier gibt’s beide Platten im Check.
Die erste Januarwoche startet in Sachen Single-Release eher ruhig. Doch bei den Alben sieht es schon anders aus: OG Keemo hat sein drittes Werk namens FIEBER und Ufo361 sein Mixtape SONY veröffentlicht. Wir haben für euch reingehört.
OG Keemo – FIEBER
Zwei Tage vor dem zweijährigen Jubiläum seines zweiten Albums MANN BEIßT HUND, einem Rap-Meisterwerk aus Wortspielereien und Metaphern, veröffentlicht OG Keemo sein neuestes Werk FIEBER. Auch jetzt hat der 31-Jährige wieder die Instrumentals von seinem Stammproduzenten und besten Freund, Funkvater Frank, machen lassen. Aber warum sollte man auch etwas ändern, das zweifellos funktioniert? Soundtechnisch liefert OG Keemo hier nämlich erneut souligere Tracks wie auch aggressive Trap-Stücke, also einige auditive Leckerbissen.
Mehr zur Platte: FIEBER startet zunächst mit einem Sample-Loop. Dabei ist ein Telefonklingeln, eine hustende Frau und zum Schluss noch das Wort „Fieber“ zu hören. Dann kommt mit „Tasche“ ft. Souly der erste Track, der mit einer fast schon märchengleichen Melodie einsteigt und mit wütendem Beat und Rapstil wegklatscht. OG Keemo erklärt in dem Song, sich seine „Taschen“ mit Geld voll zu machen und verpackt dies in Ansagen wie: „Ich war überall drin, außer in ’nem Schutzprogramm/ Meine Vorväter kamen mit Rucksack aus dem Mutterland / Und ihr Erbe riecht ein Fuffi und zieht schwarze Hoodies an“.
Der Rapper zeigt sich auf dem Album wieder mal wortgewandt – aber eben nicht so, wie man es von ihm gewöhnt ist. Eher böse und angesauert. Super durchdacht und konzeptionell durchorganisiert wie MANN BEIßT HUND ist es also nicht. OG Keemo legt inhaltlich eher den Fokus auf die Basics des Rap-Games: Geld, Erfolg und Macht. Trotzdem sorgen Tracks wie „Bee Gees“ für versierte Punchlines und Rap-Texte auf höchstem Niveau.
OG Keemo liefert somit bekannte Qualität und überrascht zugleich auch mit neuen Feature-Partner:innen. So steuerte nicht nur Rin einen Part bei, sondern auch Shindy – ein Gast-Beitrag, der durchaus unerwartet daherkommt, weil der Musiker zuvor wie bei seinem Produzenten auch seine Stamm-Feature-Leute hatte.
Der Titeltrack gibt zudem Freestyle-Vibes und bringt zusammen, was auch das Album unterstreichen soll: OG Keemo ist zurück und gibt uns feinsten, aggressiven Rap mit Köpfchen. Ein Manko ist allerdings, dass die Platte trotz der 19 Songs nicht einmal 38 Minuten lang andauert.
Ufo361 – SONY
Bereits im September 2023 kündigte Ufo361 sein Mixtape SONY an und veröffentlichte seither regelmäßig Singles, die einen Vorgeschmack auf das Werk geben sollten. Bei insgesamt neun vorgelegten Songs kam durchaus der Gedanke auf, ob Ufo361 damit nicht vielleicht doch schon den Hauptbestandteil der Tracklist zur Verfügung stellte. Aber mit 20 Albumstücken haben Fans nun doch noch einige neue Sachen zu hören.
Jetzt aber wieder zurück zum Anfang: Ufo361 wechselte 2023 gemeinsam mit seinem eigenen Label zu Sony Music. Diese Veränderung zelebriert der Deutschrapper auch direkt mit einem Mixtape, welches er wie das Majorlabel betitelte. Dieses neue Kapitel erfordert auch einen neuen Ufo361 und genau das kündigt er im Albumopener „MOF“ an: „Der alte Ufo ist gestorben / Ich werde euch niemals gehorchen, nein“.
Wer den aggressiven, sich textlich wiederholenden Rapstil von Ufo361 feiert, wird mit der Platte nicht enttäuscht. Hier und da lässt der 35-Jährige auch andere Einflüsse zu. „VNVKIN“ weist einen rockigen Unterton auf, während „biker_jacket/chromeheartscrosses“ mehr auf elektronische Beats setzt. Neben heftigeren Trapbangern wie „VIVIENNE WESTWOOD“ mit Straßenrap-Fler, der an US-amerikanischen HipHop erinnert, liefert Ufo361 auch manchmal Autotune, um die upgespacte Atmo zu unterstreichen.
Zwar gibt es nur vier Gastbeiträge, doch holte er sich für diese internationale Künstler:innen, wie die zwei britischen Rapper Lancey Fox und Destry Lonely, heran und verschaffte sich damit auf breiterer Ebene Aufmerksamkeit. So wird das Mixtape nicht nur auf Release-Listen für Deutschrap, sondern ebenfalls auf der englischsprachigen Rap-Veröffentlichung aufgezählt.
HipHop-Recap: Mit Disarstar, LIZ, Bounty & Cocoa und Bonez MC ft. Ufo361
Veröffentlichte auf Musikexpress.de am 15.12.2024
Deutschrap gibt sich selbstbewusst und präsentiert Tracks über Kampfgeist und Geld.
Wer sich kurz vor den Weihnachtstagen noch schnell eine Rap-Playlist für die Autofahrt nach Hause zusammenstellen möchte, die einem das manchmal nötige Selbstbewusstsein für die Gespräche daheim geben soll, wird mit diesen Releases sicherlich nicht enttäuscht. Dabei sorgt Disarstar für das nötige „Adrenalin“, LIZ gibt uns indirekt einen Tipp für das Socializing – und zwar, dass der Grund für Erfolg immer harte Arbeit ist – und Bounty & Cocoa erklären, dass es gar nicht so übel ist das „Stadtgespräch“ zu sein. Und manchmal sind es auch die zehn Euro der Großeltern, die einen in die Stimmung von Bonez MCs und Ufo361s Song „Money & Fame“ bringen können. In diesem Sinne frohes Reinhören!
Bounty & Cocoa – „Stadtgespräch“
„Ich glaub’ wir sind das Stadtgespräch“, bringen es Bounty & Cocoa auf den Punkt. Sie erklären, aus zweierlei Gründen für Gesprächsstoff zu sorgen: Zum einen würde man über sie schlecht reden, zum anderen sorgt ihr Erfolg für das Rampenlicht. Natürlich zelebriert der Track erstrangig ihre Errungenschaften in der Branche – Rap-typisch. Anderseits vermittelt er auch das Selbstbewusstsein, über den Meinungen anderer zu stehen. Und was braucht man mehr für die Feiertage als einen bouncigen Beat von Neal&Alex, LS und Ilir808 mit der Message, dass man nicht das ist, was andere behaupten.
Bonez MC ft. Ufo361 – „Money & Fame“
Bonez MC und Ufo361 haben „Money & Fame“. Mit dem Songtitel ist auch die Kernaussage des Werkes zusammengefasst. Dabei betonen die beiden, alles selbst erarbeitet und verdient zu haben. In diesem Sinne: Weshalb sollen die Jungs das nicht in Form einer Single zelebrieren dürfen? Das Instrumental von The Cratez, Neal & Alex, Deevoe sorgt für die passende Partystimmung.
LIZ – „Tochter meiner Mutter“
LIZ erklärt in ihrem neusten Werk, die Tochter ihrer Mutter zu sein, die sich deswegen nichts bieten lässt und hart für ihre Ziele kämpft. Am Steuer ihrer Karriere sitzt nämlich sie und zwar nur sie. Dazu schreibt die Rapperin unter dem Single-Cover auf ihrem Instagram-Account: „Ihr seid die Söhne eurer Väter? ICH BIN DIE TOCHTER MEINER MUTTER.“ Das Lied produzierten Lucry und Suena.
Disarstar – „Adrenalin“
Die Stimmung von „Adrenalin“ ist vor allem mit einem Wort beschreibbar: Moshpit. Der aggressive Beat von Jugglerz lädt nämlich sehr zu einem ein und macht auf jeden Fall Vorfreude auf kommende Disarstar-Shows. Passend dazu sieht man auch seine Konzerte in dem dazugehörigen Musikvideo. Lyrisch bedankt sich der Rapper bei seinen Fans für seinen Erfolg. Dabei rappt Disarstar über seinen Durchbruch, ohne arrogant daher zu kommen, und lässt seine letzten Jahre eher Revue passieren. Oder wie Drake sagen würde: „Started from the bottom, now we’re here.“
HipHop-Recap: Mit Nicki Minaj, Kitty Kat, Kwam.E und Takt 32
Veröffentlicht auf musikexpress.de am 08.12.2023
Nicki Minaj veröffentlicht ihr fünftes Studioalbum PINK FRIDAY 2 mit ordentlich vielen Pop-Referenzen.
Puh! Nicki Minaj meldet sich zurück und das gleich mit 22 Songs. Ohne zu spoilern, kann man sagen, dass hier ein Banger nach dem nächsten serviert wird. Wem nach 70 Minuten nach Abwechslung ist, wird nicht hängen gelassen. Dafür sorgen Kitty Kat, Takt32 ft. Liquit Walker und Khrome und Kwam.E, die von R&B-gleichen Flow zu hartem Straßenrap alles an den Start bringen.
Nicki Minaj – PINK FRIDAY
Lasst uns mit dem Elefanten im Raum beginnen: Queen Nicki hat nach fünf Jahren ein neues Album veröffentlicht. Dabei handelt es sich nicht um irgendeins, sondern um den Nachfolger ihrer 2010 erschienenen Debütplatte PINK FRIDAY. Das Album, mit dem die US-Rapperin ihren Durchbruch erlangte und auf dessen Deluxe Version auch ihr Hit „Super Bass“ vertreten war. Auf der Fortsetzung liefert Miss Minaj 22 neue Tracks – wenn man von den vorab veröffentlichten Single-Auskopplungen absieht – und startet mit „Are You Gone Already“ emotional. Zunächst zu hören ist eine Tonaufnahme, in der die 41-Jährige zu ihrem Sohn spricht und ihn auch ins Mikro grüßen lässt. Dann überrascht sie mit einem hoch gepitchten Billie Eilish-Sample des Songs „when the party’s over“. Es folgt ein harscher Cut durch einen tiefen Bass, der aus dem Pop-Hit ein Rap-Track macht. Bereits zu Anfang adressiert Nicki Minaj auch ihren Vater, in dem sie ihrem Sohn sagt, dass er seinen Großvater nie kennenlernen wird: „You never got to meet Papa“. Hier bezieht sie sich darauf, dass ihr Vater 2021 bei einem Unfall mit Fahrerflucht umgebracht worden ist.
Abgelöst wird der eher intimere Song anschließend von „Barbie Dangerous“, auf dem Minaj durch schnell getaktete Parts ihre Rap-Skills untermalt. „FTCU“ lässt bedrohlichen Trap auf einen aggressiven Beat treffen und zeigt: Das ist straighter Gangsterrap. Neben den Flows der Platte bietet das Werk auch sehr viele Ostereier in Form von Samples. Von Cyndi Laupers „Girls Just Want To Have Fun“ in „Pink Friday Girls“, über Jesper Mortenses „Move Your Feet“ in „Everybody“, hin zu Debbie Harrys und Chris Steins „Heart of Glass“ in „My Life“ – um nur einige zu nennen. Unter den Gastbeiträgen ist wenig überraschend ihr Langzeitbegleiter und Rap-Kollege Drake als auch ihr Mentor Lil Wayne vertreten. Hinzu kommen allerdings auch Legenden wie J. Cole, Future und Lil Uzi Vert. Neben den abwechslungsreichen Sounds und Beats lassen sich bei jedem Durchhören noch mal neue Aspekte auf PINK FRIDAY 2 entdecken.
Kitty Kat – „Wuz poppin“
Auf Kitty Kats neuster Single „Wuz poppin“ fragt sie ihre momentane Flamme: „Kommst du heut Nacht noch mal zu mir?“ Viel mehr lässt sich thematisch nicht wirklich zu dem Song sagen. Auf den smoothen, elektrisierenden Beat von Back2Back, schmiegt sich die ruhige Stimme der 41-Jährigen an. Dabei rappt sie diesmal nicht, sondern zeigt eher R&B-angehauchten Gesang.
Takt32 ft. Khrome und Liquit Walker – „Bitumen“
Weniger ruhig, dafür mehr Straßenrap kommt in dieser Woche von Takt32. In seiner neuen Single „Bitumen“ holt er sich Liquit Walker und Khrome dazu, um über das Aufwachsen und harte Leben auf den Berliner Straßen zu rappen. Auf einem eindringlichen Beat von Rych und Magestick thematisiert das Trio Schlachten, Drogen und das Durchkämpfen.
„Sag dein’n Jungs: Hier hilft nicht weiter schlau zu reden, wenn es knallt/Am Ende heißt es Überleben, das‘ die Regel Nummer eins/Ja, für Helden werden bei uns keine Denkmäler gebaut/Sie werden höchstens zu Tattoos, dann Gespenster auf der Haut“
Kwam.E – „NFL“
Auf einem Instrumental von Ove rappt Kwam.E über Erfolg und Geld. Eine wenig unvorhergesehene Thematik. Allerdings schafft es der Rapper durch seinen einzigartigen Rapstil trotzdem in den Bann zu ziehen, während der Sound einen automatisch mitnicken und vom nächsten Moshpit träumen lässt.
„Mit den Boys in der Hood und es läuft Lil Durk/Du kannst mir vertrau’n, bin ein man off my word/Shoot, shoot, Steph‘ Curr’/Versteh‘ kein Wort, er macht Welle auf Percs/Egal, was du machst, Digga, Kwam did it first“
HipHop-Recap: mit Kalim ft. Badmómzjay, Ufo361, BIA und Biji
Veröffentlicht auf Musikexpress.de am 04.12.2024
Es gibt „Fuffies“ im Club, schöne Restaurants, Reise-Vibes sowie einen Rap-Track, der auf Punk macht.
Schaut man sich die Releases dieser Woche an, scheint der HipHop sich bereits im Winterschlaf zu befinden. Während man Ende November gar nicht wusste, welches Rap-Album man als erstes hören sollte, muss man sich nun in Geduld üben oder doch lieber etwas länger Mariah Careys Weihnachtshit pumpen. Wem beides nicht zusagt, der oder die kann sich hier durch unsere Empfehlungen streamen.
Kalim ft. Badmómzjay – „Fuffies“
Nachdem Badmómzjay Ende November ihr zweites Album SURVIVAL MODE herausbrachte, ist sie jetzt schon als Feature auf Kalims neuem Track „Fuffies“ zu hören. Auf jeden Fall ein Kontrastprogramm zu ihrer Platte, die eher die Schattenseiten ihrer Karriere durchleuchtet – auch wenn da natürlich ebenfalls selbstbewusste Songs vertreten sind. Auf einem Sample von Sidos „Fuffies im Club“ bringen Kalim und Badmómzjay nun Aggro-Berlin-Vibes an den Start. Man könnte den Songtext à la Deutschunterricht analysieren, aber der Titel resümiert den Track bereits ganz gut zusammen: Die beiden Rapper:innen zelebrieren ihren Erfolg und werfen dafür mit „Fuffies“ im Club.
Ufo361 ft. Lancey Foux – „Vivienne Westwood“
Für die achte Single-Auskopplung, aus dem im Januar 2024 folgenden Mixtape SONY, hat sich Ufo361 mit dem britischen Rapper Lancey Fox zusammengetan. In ihrem Track „Vivienne Westwood“ geht es inhaltlich tatsächlich weniger um Mode als darum, dass sich eine Frau in einen Punk verliebt hat.
Und was für ein Ufo361-Track wäre es, wenn es außerdem nicht auch noch um Partys und Geld ginge?! Eben. Aber tatsächlich ist auch die Anspielung auf die Modeikone Vivienne Westwood bei dem 36-Jährigen nicht weit hergeholt, denn der Rapper setzt sich privat ausgiebig mit Fashion auseinander und überraschte bereits mit dem ein oder anderen Look. So präsentierte er sich 2022 auf High Heels, was für das in der Rap-Szene noch immer dominierende, toxische Männerbild unüblich erscheint.
BIA, Sfera Ebbasta, Fivio Foreign – „Milano“
Auch BIA arbeitete bereits mit Künster:innen aus verschiedenen Ländern zusammen. Dabei gab es auch die eine oder andere Zusammenarbeit auf deutschen Boden mit Luciano. Nun begibt sich BIA aber nach „Milano“: Die Single erschien bereits im September auf der Deluxe-Version ihrer EP REALLY HER und wurde über 18 Mio. Mal gestreamt. Jetzt folgte das Musikvideo zum Track, in dem sie sich gemeinsam mit dem italienischen Rapper Sfera Ebbasta und Fivio Foreign aus New York in die italienische Großstadt begibt und es sich dort in Restaurants und Bars gut gehen lässt.
Biji – „Zo“
Biji ist ein kurdisch-schwedisches Duo, bestehend aus dem Rapper Robin Nazari und dem Musikproduzenten Maceo Frost. Wer Nazari vielleicht nicht durch seine Musik kennt, könnte ihn bereits als Schauspieler in den Netflix-Serien „Clark“ oder „Schnelles Geld“ gesehen haben. Musikalisch verbinden Biji HipHop mit Afrobeats- und Dance-Einflüssen und fügen dem Ganzen einen kurdischen und westasiatischen Touch hinzu. Dementsprechend rappt Nazari auf Kurdisch und unterstreicht „Zo“ mit einem Musikvideo, in dem er sich als Reiseleiter in ein Touri-Bus begibt.
HipHop-Recap: mit Badmómzjay, Casper, OG Keemo und Kontra K
Veröffentlicht auf musikexpress.de am 27.11.2024
Rap verfeinert Schlager, liefert emotionale Insights und die richtigen Beats zur Selbstfeierei.
Badmómzjay und Kontra K sprechen über die Schattenseiten des Erfolgs, während Casper sein Leben und seine Verluste in die Mangel nimmt. OG Keemo verrät zwar nichts Neues von sich, aber liefert intelligente Wortspielereien und Shirin David sorgt dafür, dass auch mal Schlager in einem HipHop-Recap vorkommt.
Badmómzjay – SURVIVAL MODE
Am Freitag (24. November) veröffentlichte Badmómzjay ihr zweites Album SURVIVAL MODE, auf dem sie von sich unterschiedlichste Seiten zeigt und sich auch gleichzeitig musikalisch mehr dehnt. Mit „‚Komm Mit“ wagt sich die 21-Jährige an einen Song mit Afrobeat-Einflüssen, „Auf die Party“ ft. Domiziana ist – wie der Titel schon vermuten lässt – ein Feiertrack mit elektronischen Beats und auf „Warum bin ich so“ erklärt Badmómzjay, dass sie neben einem Vorbild auch ein Mensch ist, dem es manchmal schlecht geht. Auch wenn sie schon auf ihrem Debütalbum BADMÓMZ über die Kehrseiten des Ruhms und ihre psychischen Leiden reflektierte, so geht sie mit „How To Survive“ noch einmal tiefer und verblüfft damit sogar. Sie thematisiert den Verlust von Freunden und besingt an anderer Stelle auch mal Tage, an denen sie eigentlich nicht in die Rolle der Badmómzjay schlüpfen möchte, aber es dennoch tun muss.
Die selbst ernannte Berlinerin hält neben den Tiefgang-Tracks aber auch genug Stücke bereit, in denen sie einfach nur ihre Errungenschaften zelebriert, was dem Werk wiederum eine gewisse Leichtigkeit verleiht. Während man sich bei emotionaleren Songs der Künstlerin näher fühlt, laden Tracks wie „Yeah Hoe“ schlichtweg zum Mitshaken und -rappen ein. Passend dazu teilte die Rapperin zum Album-Release das Musikvideo zur Single „Hallelujah“ – ein Song über sexuelle Anziehung und ihre Dominanz. Here you go:
Casper – NUR LIEBE, IMMER
Auch Casper nutzte den Release-Friday zur Albumveröffentlichung von NUR LIEBE, IMMER – dem Nachfolger von ALLES WAR SCHÖN UND NICHTS TAT WEH (2022). Wer ein Casper-Fan ist, dürfte sich durchaus über das Album freuen, denn es trieft wieder so richtig schön vor Melancholie à la Casper. Er bespricht auf Albumlänge die Kehrseiten seines Erfolgs, des Älterwerdens und des Lebens in Berlin. Während Fans sicher so einige Easter Eggs auf der Platte finden können (wie die Anspielung auf LP-Vorgänger HINTERLAND), schafft es der gebürtige Bielefelder mit den Tracks auch neue Hörer:innen abzuholen.
Er rappt nicht nur über den Jetzt-Zustand, sondern reflektiert auch viel über seine Vergangenheit beziehungsweise sucht er nach den Wurzeln „des Problems“. Melodisch bietet die Platte eine erfrischende Abwechslung zwischen emotionalen, ruhigeren Songs, aggressiven Rap-Bangern und poppigen Hits wie „Sommer“ ft. Cro. Letzerer erscheint allerdings zu gewollt deep für den poppigen Sound – oder zu poppig für die dazugehörige Thematik der summer sadness.
Auch hier gab es zum Release eine neue Single mitsamt Video. In dem Track „luft holen“ spricht er über den Verlust von Freunden, von Zeit und schlussendlich auch ein wenig von sich selbst. Wo von seinem „Panorama-Seeblick“ berichtet, den er aber nicht genießen kann, weil seine Gedanken so rasen und er sich fragt: Haben sich alle anderen oder ich verändert?
Helene Fischer ft. Shirin David – „Atemlos durch die Nacht“ (10 Years Anniversary Version)
Hoppla, was ist denn da passiert?! Das dürften sich einige gefragt haben, als Schlagersternchen Helene Fischer und Rapqueen Shirin David ihre Zusammenarbeit ankündigten. Zwei Musikerinnnen, die gegensätzlicher nicht sein könnten und die sich trotzdem für ein Remake von „Atemlos“ zusammengetan haben. Kein Wunder also, dass einige verwundert waren.
Zum Schlagerpart und dessen Umsetzung kann und will ich nichts sagen — schließlich ist das hier ein HipHop-Recap. Zum Rappart von David: Man muss ihr lassen, dass sie es geschafft hat, ihren Part an das Genre anzupassen, ohne den Rapaspekt dabei zu verlieren. Sie vermittelt auch wichtige Messages – wie Selbstliebe und Akzeptanz anderer. Ansonsten ist es halt einfach „Atemlos“ von Helene Fischer, was kann man da noch groß sagen, außer dass es aus Marketingsicht ein wirklich schlauer Move der beiden gewesen ist, um in dem Territorium der jeweils anderen und der jeweiligen Fans Fuß zu fassen.
OG Keemo – „Torshavn“
Benannt nach der Hauptstadt der Färöer-Inseln rappt OG Keemo in seiner Single über sein Können, das ihn ebenfalls dazu bringt, „Urlaub in Ländern mit lustigen Ortsnamen“ zu machen. Der Track ohne Hook ist ein typischer OG-Keemo-Banger, in dem er zwar großenteils über sein Erfolg spricht, aber dies eben in ausgeklügelten Wortspielen, Vergleichen und Reimen macht. Für den diesmal eher ruhigeren, smoothen Beat holte er sich Stammproduzent Funkvater Frank dazu.
Kontra K – „Kopf Gef***“
Am 9. November veröffentlichte Kontra K sein zwölftes Album DIE HOFFNUNG KLAUT MIR NIEMAND. Nun folgt die Single-Auskopplung „Kopf Gef***“. In dem Track rappt er über den Druck, seine Karriere aufrecht halten zu müssen. Denn sie sei auch nach zahlreichen Erfolgen nicht gesichert. Eine Zeile, die in dem Stück direkt hängenbleibt: „Du sagst, ich hab’s geschafft/Und die Cops ich deal‘ mit Drogen“. Eine Anspielung auf die Ermittlungen Ende 2022 gegen den gebürtigen Berliner, die dem Verdacht nachgingen, dass Kontra K 100 Kilogramm Cannabis verkauft haben soll.
In dem Musikvideo begibt sich der 36-Jährige diesmal nicht in die Natur, sondern zeigt sich schlicht vor einer weißen Wand. Im Laufe des Videos legt er sich dann ein Strick um den Hals, der allerdings statt mit der Decke an zahlreichen Luftballons gebunden ist. In der Beschreibung zum Clip gibt der Rapper den Hinweis darauf, dass „Kopf Gef***“ als Opener auf seiner kommenden Tour gespielt werde.
HipHop-Recap: mit Apsilon, Disarstar, Shirin David und Timbaland
Veröffentlicht auf Musikexpress.de am 20.11.2024
Neue Tracks rund um Selbstbestimmung und Gesellschaftskritik. Hier gibt’s den Überblick.
Was gibt’s Neues? Disarstar, Apsilon und Paula Hartmann teilen in ihren jeweiligen Singles ihre persönlichen Erfahrungen und ihre Gedanken zu den Schwächen der Gesellschaft mit. Und Timbaland feat. Vita und auch Shirin David zelebrieren ihre Errungenschaften sowie die weibliche Lust.
Apsilon – „Baba“
„Baba“ ist Apsilons Vater und dessen Stärke gewidmet. Dabei bedankt er sich bei seinem Erzieher und wünscht sich zugleich mehr Humanität von diesem. „Baba“ lässt noch mal neu über toxische Männlichkeit nachdenken und weckt Mitgefühl für all die vorigen Generationen, in denen Männer sich nicht verletzlich genug zeigen durften. Gleichzeitig ist der Track ein Aufruf zur Selbstreflexion – und wie das ausschauen kann, macht Apsilon vor.
Er erklärt, welche Narben die ewig waltende Stärke seines Vaters bei ihm hinterlassen haben – auch auch welche Vorteile seine Stärke mit sich brachte. Er berichtet zudem von den Momenten in der Kindheit, die man erst im Erwachsenenalter so richtig versteht – von den Augenblicken, in denen Schwierigkeiten vom Vater schlicht „weggelächelt“ wurden, sodass der Nachwuchs im Bestfall nichts von den Problemen mitbekommt. Alles Vorgehensweisen, die nicht zuletzt auch bei Apsilon mit der Zeit dazu führten, den Vater nachzuahmen. Weinen ist da plötzlich gar keine leichte Sache.
Paula Hartmann – „Candy Crush“
Paula Hartmann bewegt sich seit Anbeginn ihrer Karriere zwischen Pop und HipHop. Anfänglich mehr wegen der Rap-Features, die sie ergatterte. Mittlerweile hat sich ihr Sound allerdings etwas verändert und auch ihr Gesang ist irgendetwas zwischen gesungenen Rap und gesprochenen Gesang.
Der Titel ihrer neuesten Single führt in jedem Fall weiter in die Irre: Hier geht es weder um Liebe, noch um zuckerwattensüße Vergleiche. Die 22-Jährige spricht in dem Track über eine selbstzerstörerische Einstellung, in der Schmerz zu Drogen und ungesunden Ablenkungen führt. Hartmanns Stammproduzent Biztram liefert dazu leichte Jersey-Club-Rhythmen und schnellen Beats.
„Baller‘ weg so wie bei Candy Crush/Staub auf Plakaten, allеs Angel-Dust/Niеmand glaubt mehr, wir verändern was/Ganzer Jahrgang 27 Club“
Disarstar – „Regenjacke“
„Regenjacke“ ist eine Hommage an Distarstars Heimat Hamburg. Das Stück soll der Stadt allerdings weniger schmeicheln, als die soziale Ungleichheit dort aufzeigen. Auf einen Beat von Jugglerz spricht der Deutschrapper über die Idealisierung des Ortes, in der von einem Großteil der Leute die Augen vor der Armut und der Hilflosigkeit vieler dort lebenden Menschen verschlossen werden. Die „Regenjacke“ sei dabei neben „Pfefferspray, HVV und AMG“ die Alltagsrealität.
„Realität woll’n Touristen nicht seh’n/Klassengesellschaft, nicht Mitten im Leben/Aids und Hepatitis C/Kleine Kids, die sich Stiche geben/Hier werden Opfer zu Tätern“
Shirin David – B**CHES BRAUCHEN RAP (Deluxe Edition)
2021 veröffentlichte Shirin David ihr zweites Album B**CHES BRAUCHEN RAP. Nun folgte eine erweiterte Version der LP, in der David zwei neue Tracks „Heidi“ und „Periodt“ und Remix-Versionen von „NDA’s“ und „Ich darf das“ beigefügt hat.
In den beiden neuen Songs unterstreicht die 28-Jährige ihre Errungenschaften. Während „Periodt“ den Fokus mehr auf ihre Karriere-Erfolge setzt, konzentriert sich „Heidi“ eher auf das Aussehen und die sexuellen Leidenschaften der Rapperin.
Für den Remix zu „Ich darf das“ nahm sich David außerdem die Frankfurter Rapperin Josi als Feature-Gästin auf den Track. Josi ist nicht nur der Voract der derzeitigen „Shirin David Livetour“, sondern ebenfalls ein neues Signing bei Davids Label Juicy Money Records.
Timbaland ft. Vita – „Desire“
Wer in den Track bereits reinhört, fragt sich vielleicht: Ist das noch HipHop oder kann das weg? „Desire“ lässt sich wohl eher in die R&B-Schiene einordnen, doch da das Genre mindestens ein genauso fester Bestandteil der HipHop-Szene wie Timbaland selbst ist, hat der Song sicher eine Erwähnung im Recap verdient.
Im September vereinigte der Produzent bereits für seine Single „Keep Going Up“ die drei Kräfte, die wahrscheinlich jedes Millennial-Herz schneller schlagen lassen: Nelly Furtado und Justin Timberlake. Die erste musikalische Reunion seit ihrer gemeinsamen Single „Give It To Me“ 2007. Und auch wenn Timberlakes Name aktuell eher einen bitteren Beigeschmack hinterlässt, machte Timbaland damit eine ordentliche Ansage, um klar zu machen, dass ein neues Album 2023 kommt.
Mit „Desire“ folgte der sechste Vorgeschmack zur neuen LP ohne Namen. Darin besingt Vita — wie der Titel bereits erahnen lässt — die Lust und Leidenschaft. Eine Begierde, in der die Frau den dominanten Part einnimmt.
„I want you right away/Two hands tied up, I make you work for me/Won’t give you time of day, it can’t be all on me“
HipHop-Recap: mit Casper, Badmómzjay, Luciano und Jack Harlow
Veröffentlicht auf musikexpress.de am 13.11.2024
Diesmal geht es nicht um fette Karren und das große Geld, sondern vielmehr um die großen Emotionen.
Jetzt wird die verletzliche Seite mehr gepusht. So gesteht Casper, dass ihn Dämonen auf Trab halten, Badmómzjay verarbeitet eine Achterbahn-Liebesgeschichte, die doch eigentlich fürs Leben halten sollte, und Luciano erklärt ausführlich, dass er sich nur auf seine „Familia“ verlassen kann.
Casper – „sowas von da (hellwach)“
Casper gibt mit „sowas von da (hellwach)“ einen vierten Vorgeschmack auf sein am 24. November erscheinendes Album NUR LIEBE, IMMER. Lyrisch erzählt der Deutschrapper von Dämonen, die ihn nachts wachhalten. Eine fast unerträgliche Schlaflosigkeit, der man entfliehen möchte und ohne Tabletten nicht kann. Passend dazu zeigt das dazugehörige Musikvideo eine Frau, die auf der verzweifelten Suche nach Medikamenten ein Krankenhaus stürmt. Die Frau: Schauspielerin Lena Klenke, die unter anderem aus der Netflix-Serie „How To Sell Drugs Online (Fast)“ bekannt ist.
„Ich bin wach/Verschreib mir bitte was, das hilft/Denn die Gedanken Tag und Nacht nicht still“
Badmómzjay feat. Takt32 & Vito – „4 Life“
Die 21-Jährige schwört auf eine Liebe, die „4 Life“ anhält. Dazu holt sich Badmómzjay, neben dem Rapper Takt32, noch den Sänger Vito als Feature auf den Track. Auch sie selbst singt diesmal ein paar Lines und rappt über eine intensive Liebesbeziehung, in der man sich gegenseitig geschworen hat, bis zum Tod beieinander zu bleiben. Trotz überraschendem Ende würde man sich noch immer das Beste für den anderen wünschen. Neben dem Musik-Trio wird in dem Video ebenfalls ein Paar gezeigt, das auf einen eher ruhigeren Beat von Badmómzjays Stammproduzent Jumpa, einen Ausdruckstanz performt.
„Sag nicht goodbye zu mir/Denn du bist längst ein Teil von mir/Glaub mir, ich bleib‘ bei dir/Bis sie mein’n Namen in Stein gravier’n“
Luciano ft. Morad – „Familia“
In „Familia“ spricht Luciano unter anderem über die Schattenseiten des Ruhms und erklärt, durch seine Familie Halt zu finden. In einem Leben, in dem man konstant unter Druck steht und die Bekanntheit oft auch echten Beziehungen im Wege stehen kann, ist der neueste Track des Rappers eine Hommage an die Personen, auf die Luciano zählen kann. Dabei hebt er auch die positiven Seiten seines Erfolgs hervor: seiner Familie Unterstützung geben zu können. Für den Song holte er sich Morad auf den Song, der das Werk auf Spanisch eröffnet und aus „Familia“ einen bilingualen Track macht. Auch Luciano steuert dabei einige spanischsprachige Parts bei.
„Doch die Sonne geht auf, heute mach‘ ich die Tür’n auf für Familia/Heute geht es uns besser, verlor nie die Hoffnung von Nacht zu Nacht“
Jack Harlow – „Love On Me“
Jack Harlows Single „Love On Me“ fällt bei unserer Aufzählung ein wenig aus der Reihe, denn der Rapper zeigt sich hier nicht gerade emotional — es sei denn, man zählt die Musikvideoszene mit, in der er mit einem Hundewelpen kuschelt. Wir haben es hier mit einem typischen Jack-Harlow-Jam zu tun, in dem der 25-Jährige auf einem poppig-fröhlichen Beat über sein Charisma und seine Vorzüge in Liebesbeziehungen rappt. Sowohl Songtitel als auch Melodie könnten einigen bekannt vorkommen, da es sich hier um ein Sample von Cadillac Dales 1995er Hit „Whatever“ handelt. Mit der Single-Auskopplung läutet Harlow sein viertes Studioalbum JH4 ein, das noch Ende 2023 erscheinen soll.
HipHop-Recap: mit Megan Thee Stallion, Badchieff, Futurebae und Die P
Veröffentlicht auf Musikexpress.de am 06.11.2024
Mehr von Rapper:innnen, die nicht auf harte Schale machen, sondern richtig persönliche Einblicke geben.
Dieses Mal: Megan Thee Stallion meldet sich mit einem neuen Solo-Track und teilt darin mehr über ihre Gefühlswelt, persönliche Erlebnisse und generell ihre verletzlichere Seite. Auch Futurebae sorgt mit ihrem Debütwerk BLA (BERLIN LOVE AFFAIR) für reichlich Output von sich und ergründet auf Albumlänge die Vor- und Nachteile des Liebesleben in der Hauptstadt. Hier erfahrt ihr mehr.
Megan Thee Stallion – „Cobra“
„Cobra“ ist nicht nur die erste Solo-Single seit einem Jahr von der US-Rapperin, sondern auch die erste Veröffentlichung übers Independent Label Hot Girl Productions. In dem Track gibt Megan Thee Stallion Einblicke in ihr Inneres. So offenbart sie, dass sie unter Depressionen leidet und wie sehr sie ihre verstorbenen Eltern vermisst. Mit dem Song will sie das Loslassen lernen und einen Neuanfang wagen. Dafür resümiert die 28-Jährige auch noch mal über vergangene Laster. Passend dazu zeigt sich die Musikerin in dem „Cobra“-Video gefangen in einer Glasvitrine, in der sie sich ihre „alte Haut“ abzieht.
„Ayy, damn, I got problems/Never thought a bi*** like me would ever hit rock bottom / Man, I miss my parents, way too anxious/ always cancel my plans“
Badchieff feat. Endzone – „DU FEHLST!!!“
Auf einen elektronischen Beat von Endzone rappt Badchieff über seinen Herzschmerz. Einigen könnte der Produzent längst bekannt vorkommen, denn Endzone hat auch das Instrumental für Ski Aggus „Disco Party Sahne“ gemacht. Einen ähnlichen Flow hat auch „DU FEHLST!!!“. Badchieff spricht in dem Track über Momente der Einsamkeit und die Verarbeitung einer plötzlichen Trennung.
„Jedes Mal, wenn ich einschlaf‘ und du fehlst, tut es weh / Ich bin hier und du bist da, bitte sag mir, wie lang das noch geht / Und jedes Mal, jedes Mal, denk‘ ich, es ist nicht zu spät“
Futurebae – BLA (BERLIN LOVE AFFAIR)
Nachdem Futurebae am Montag (30. Oktober) mit dem Titelsong „BLa_“ einen dritten Vorgeschmack auf ihr Debütalbum gab, erschien nun das gesamte Werk. Auf insgesamt zehn Songs blickt die Künstlerin auf ihre persönlichen Erfahrungen in Berlin zurück und erläutert dabei auch den Teufelskreis der Liebenden, in dem auch Verletzte andere verletzen. Dementsprechend geht es auch in dem Titelsong um die toxische Beziehung zu einer Person, die einen nicht wirklich würdigt. Der Song thematisiert das Dilemma, sich trotz allem nicht vom dem anderen lossagen zu können.
„Warum muss ich dich mit tausend Möglichkeiten teilen / Immer alles offen lassen zwischen Ja und Nein / Und du liebst mich vielleicht / Ich schaffe nicht mehr zu viel hin und her / Das alles für ne Berlin Love Affair“
Die P feat. Shanel – „Last Night“
Auf einem Beat von Norrey Boo rappt Die P über ihren Hustle und Erfolge in der Rap-Szene. Dazu holt sie sich Shanel als Feature auf den Track, die lyrisch noch mal ihre Passion für HipHop unterstreicht.
HipHop-Recap: mit Badmómzjay, OG Keemo, RAF Camora, Ski Aggu & Kid Cudi
Veröffentlicht auf Musikexpress.de am 30.10.2024
Badmómzjay überrascht mit neuem Sound und Ski Aggu & RAF Camora sorgen für eine neue Rap-Kombi.
Von tanzbaren Bangern bis hin zu bösen Brettern – jetzt gibt es das volle Programm. Und wer etwas Neues ausprobieren möchte, wird auch nicht enttäuscht. Denn Badmómzjay liefert neuen Sound und RAF Camora und Ski Aggu lassen mit ihrem gemeinsamen Track zwei verschiedene Rap-Welten aufeinandertreffen. Wir haben uns die Songs angehört, eingeordnet und geben euch hier einen Überblick.
Badmómzjay – „Komm Mit“
Badmómzjay gibt mit „Komm Mit“ einen weiteren Vorgeschmack zu ihrem am 24. November erscheinenden Album SURVIVAL MODE. Anders als die meisten ihrer vorigen Songs überrascht die Rapperin hier mit einem Amopiano-Beat. Diesen stimmungsvollen Clubsong hat ihr Langzeitbegleiter Jumpa zusammen mit Bgrz produziert. Passend dazu werden in dem Musikvideo neben Badmómzjay auch mehrere Tänzer:innen in Indien und Holland gezeigt. Das Video entstand in Zusammenarbeit mit der Red Bull „Dance Your Style“-Kampagne und zeigt neben Rap eine weitere Säule des HipHops: Breakdance. Inhaltlich lädt Badmómzjay zu einer Reise in ihre Vergangenheit und das Hineinschnuppern in ihr Erfolgsrezept ein.
„Wenn du willst, nehm‘ ich dich mit/Komm mit mir mit/Wir machen Löcher in die Wolken auf dem Weg nach oben“
OG Keemo ft. Souly – „Tasche“
Für seinen neuesten Track begibt sich OG Keemo auf ein Pfadfinderausflug in die Natur. Dabei rappt der 30-Jährige darüber, wie er sich die „Tasche“ füllt und zelebriert mit raffinierten Wortspielen seinen Erfolg. Unterstreicht wird das Ganze mit Adlibs von Rap-Kollege Souly. Für den dazugehörigen Beat arbeitete OG Keemo – wie auch in all seinen Tracks zuvor – mit seinem Stammproduzenten und besten Freund Funkvater Frank zusammen.
„Die Welt geht vor die Hunde, doch der Bag ist wunderbar/Ich esse Zwannis, Fuffis, Hunderter, weil ich Hunger hab/Alles, was ich mach‘, ist summen wie ’ne Hummel/Alles, was ich kenn‘, ist Beef, es gibt kein Kumbaya“
RAF Camora ft. Ski Aggu – „Liebe Grüße“
In dem gemeinsamen Song treffen Gangsterrapper RAF Camora und der Partysong-King Ski Aggu zusammen. Auf einem Sample des Hits „What Is Love“ von Haddaway versenden die beiden Musiker „Liebe Grüsse“. Das Video dazu zeigt, wie das Duo auf einem Wiener Tankstellendach für eine Vielzahl an Fans den Song performt. Das Instrumental kam von The Royals, The Cratez, Kev Koko, Neal & Alex, Stoopid Lou, coolpacc, RAF Camora und Dee Dee Halligan.
„Atzen im Berghain erkenn‘ mich/Sie könn‘ meine Texte auswendig/Der Bass scheppert böse, ich penn‘ nicht“
Kid Cudi — „Ill What I Bleed“
Zusammen mit seiner Single „Most Ain’t Dennis“ veröffentlichte Kid Cudi „Ill What I Bleed“ bereits im September. Allerdings nur auf Soundcloud, weshalb die beide Songs eher unbemerkt blieben. Nun kam noch mal eine offizielle Veröffentlichung des Liedes samt Musikvideo. Darin zu sehen ist Kid Kudi während seines Aufenthalts in Seoul, Südkorea, wo er shoppen geht, durch die Straßen tanzt und ein Konzert gibt. „Ill What I Bleed“ ist eine Single-Auskopplung aus seinem auf Januar 2024 verschobenen Album INSANO.
„I do what I please, I keep it simple/Keep my circle with the real ones by my side/Cannot miss him when he enter rooms“
HipHop-Recap: mit Sido, Kontra k ft. Clueso, LIZ und Ufo361
Veröffentlicht auf musikexpress.de am 23.10.2024
Sido mit erstem Solo-Track 2023, LIZ über Frauen-Dominanz, Kontra K & Clueso über „Weiche Kissen“ und mehr.
Während man vergangenen Freitag (13. Oktober) einiges an internationalen Output bekam und nicht ganz wusste, ob man eher nach Deutschland oder in die USA blicken soll, verschiebt sich diesmal der Fokus auf den Deutschrap. Das heißt allerdings nicht, dass es weniger Hingucker gab – denn Sido meldete sich mit seinem ersten Solo-Track in diesem Jahr zurück, Kontra K tat sich für „Weiche Kissen“ mit Clueso zusammen und LIZ gibt einen weiteren Vorgeschmack auf ihr Album AMY WINEHOUZE. Wir haben uns vier Tracks einmal genauer angeschaut.
Sido – „Du liebst mich nicht“
Musikalisch bietet Sido 2023 bislang vor allem Features – mit Haftbefehl, PA Sports, Kontra K und die Liste ist noch länger. Mit „Du liebst mich nicht“ veröffentlicht der Deutschrapper allerdings seine erste Solo-Single in diesem Jahr. Sowohl mit dem Titel als auch der Hook spielt Sido dabei auf Sabrina Setlurs gleichnamigen Hit aus dem Jahr 1997 an. In dem Track thematisiert der 42-Jährige die Abhängigkeit zu einer geliebten Person und den damit verbundenen Herzschmerz. Dabei hebt er lyrisch Liebe, Verletzlichkeit und die Unsicherheit in Bezug auf die Gefühle des Gegenübers hervor. Auch das Musikvideo setzt hier den Fokus auf die Songbedeutung, denn darin ist Kassandra Wedel zu sehen, die den Text in Gebärdensprache übersetzt.
„Oh, wahrscheinlich bin ich verrückt/Das ist leider nicht mal ’n Witz/Bitte schreib mir schnell, wo du bist/Ich weiß nicht wieso, doch ich/Kann einfach nicht ohne dich“
Kontra K ft. Clueso – „Weiche Kissen“
In ihrem ersten gemeinsamen Track sprechen Kontra K und Clueso über die Härte der Wahrheit, die auch nicht „Weiche Kissen“ abgefedert können. Dinge, die sich zu widersprechen scheinen, und doch Hand in Hand gehen. Eine Realität, in der die Taten nicht für die Gefühlswelt sprechen. Der von Djorkaeff und Beatzarre produzierte Beat gibt einen weiteren Vorgeschmack auf Kontra Ks elftes Album DIE HOFFNUNG KLAUT MIR NIEMAND, das am 10. November erscheint.
„Ich vermiss‘ meinen Cousin, doch am Handy drück‘ ich ihn weg/Ja, ich liebe meine Frau, aber schlaf‘ im anderen Bett/Warum lieb‘ ich dich, wenn wir streiten, aber hasse, wenn du dann weinst?“
LIZ – „Fahren“
In „Fahren“ dreht LIZ den Spieß um, denn sie macht textlich klar, dass sie ihrem Partner alles kaufen kann, was er will. Sie zelebriert damit ihre finanzielle Unabhängigkeit von Männern und verdeutlicht, dass auch die Frau dem Mann Chanel oder teure Reisen shoppen kann. LIZ unterstreicht lässig, dass auch Frauen der dominante Part und/oder finanziell stärker sein können.
Ufo361 – „VNVKIN“
„VNVKIN“ ist ein weiteres Stück aus dem am 4. Januar 2024 erscheinenden Mixtape SONY. Auf einen harten Sound von Bafani, Jimmy Torrio und Neal & Alex rappt Ufo361 über sein Können, Geld und seine Erfolge. Dabei macht der Rapper in der Hook auch mal eine kleine Anspielung auf den „Star Wars“-Charakter Anakin Skywalker: „Darklands X, ja, ich fühl‘ mich so wie Anakin“.
HipHop-Recap: mit Ice Spice ft. Rema, Offset, Luciano und Farid Bang
Veröffentlicht auf musikexpress.de am 16.10.2024
Die neuen Releases bieten versierte Lyrics, ruhigere Beats, PR-Stunts & einige Überraschungsmomente.
Die HipHop-Welt hat dieses Mal neben bekannten Gesichtern, die fleißig jeden Freitag die Szene mit neuen Werken beliefern, auch Neulinge bzw. Überraschungsacts auf den Plan gerufen. Sowohl Ice Spice als auch Offset veröffentlichten nach längerer Zeit wieder Songs, die mitsamt einem neuen Musikvideo daherkommen. Letzterer brachte am Freitag, den 13. Oktober, nach vier Jahren Pause mit SET IT OFF eine frische LP heraus. Wir haben für euch mal in die neuen Werke reingehört und sie eingeordnet.
Ice Spice ft Rema – „Pretty Girl“
Ice Spice und Rema vereinen Rap und Afrobeat. Den meisten dürfte Rema bereits ein Begriff sein, da er 2023 mit „Calm Down“ einen Hit landete, für den er sich Selena Gomez als Feature-Partnerin ins Boot holte. Genau diesen Vibe bringt er nun auch in „Pretty Girl“ mit ein. Ein Track mit sanften Synthies und schnellen, poppigen Beateinsätzen. Ice Spice serviert dabei ihre typisch akzentuierten wie versierten Rap-Parts, die ebenfalls an ihren Durchbruchssong „Boy’s a Liar“ erinnern. Für „Pretty Girl“ arbeitet die 23-Jährige mit ihrem ständigen Produzenten Riot USA zusammen.
Offset ft. Travis Scott – „Say My Grace“
Im Juli 2023 erlangte Offset mit seiner Single „Jealousy“ große Aufmerksamkeit. Kein Wunder, denn der Rapper veröffentlichte den Track gemeinsam mit seiner Ehefrau und Rapperin Cardi B. Was das damit genau zu tun hat? 2018 wurde bekannt, dass Offset eine Affäre hatte, weswegen sich Cardi B für einige Zeit von ihm trennte. Vor der Veröffentlichung von „Jealousy“ begannen dann Gerüchte zu kursieren,Cardi B wolle sich rächen und sei auch fremdgegangen, womit sie für eine erneute Ehe-Krise gesorgt hätte. Die Spekulationen wurden dabei von Offset selbst losgetreten, der dies auf seinem Instagram anteaserte. Heraus kam: Das Thema war wohl vor allem als PR für ihre Single gedacht und hatte wenig mit der Realität zu tun.
Seine Single-Auskopplung „Say My Grace“ vom dazugehörigen Album SET IT OFF erhält dafür verhältnismäßig wenig Bewerbung. Dem Erfolg des Tracks hat es anscheinend wenig getan, denn die Klicks auf YouTube liegen im Millionenbereich. Was zum einen daran liegen kann, dass Offsets versierter Rapstil aus dem Track einen Banger macht oder zum anderen daran, dass Travis Scott mit auf dem Song zu hören ist.
Luciano – „Cold Princess“
Im Gegensatz zu seinen vorherigen Single-Releases (wie z.B. „Mami“) zeigt sich Luciano auf „Cold Princess“ von seiner ruhigeren und sentimentaleren Seite. Der Rapper erzählt hier die Geschichte einer Frau, die ihren Schmerz verbirgt und sich sehr zurückzieht. Auf einen schnellen Beat von DLS präsentiert Luciano einen smoothen und langsameren Rapstyle. Eine Zeile aus dem Track: „Ja, sie hofft immer noch, sie wird glücklich, wann hört der Schmerz endlich auf?“
Farid Bang – „Freitag der 13.“
Passend zum Release-Datum veröffentlicht Farid Bang seinen neuen Track „Freitag der 13.“ und macht darauf eine Ansage an die Szene. Dafür disst er „6pm“-Records und lässt es sich nicht nehmen, ebenfalls gegen Produzenten OZ und Shindy zu schießen. Auch wenn im Titel kein Feature-Partner genannt wird, überrascht Farid Bang gegen Ende seines sechsminütigen Songs mit Kollegah, der sprichwörtlich ans Mikrofon tritt und auch noch mal einige Lines gegen Shindy los wird. In dem Track heißt es unter anderem: „Und dein letzter Song klang, als wenn du „Gib ihm“ feierst (Yеah)/Alleine gegеn alle, so wird’s bis zum Ende bleiben“.
HipHop-Recap: Mit Nicki Minaj, Doja Cat, Lil Wayne, Ski Aggu und Bushido
Veröffentlicht auf Musikexpress.de am 01.09.2023
Wir haben uns die HipHop-Veröffentlichungen dieser Woche angeschaut – und für euch resümiert.
Der HipHop hatte in dieser Woche einige Überraschungen im petto. Nachdem Doja Cat bereits vergangenem Mittwoch (23. August) auf ihrem Instagram einen Schatten eines weiblichen Dämons geteilt und in der Bildunterschrift dazu den 1. September erwähnt hatte, bestätigte sich heute die Spekulationen, ob es sich damit um eine neue Single handeln könnte. Doch auch andere US-Rap-Legenden wie Nicki Minaj und Lil Wayne sorgten für einen musikalischen Output. In Deutschland veröffentlichte Bushido seine Single „Dark Knight“, die bereits vor Veröffentlichung für ziemlich viel Aufmerksamkeit sorgte und Ski Aggu gibt mit einen weiteren Vorgeschmack auf sein „Denk mal drüber nach“-Tape, das im Oktober erscheinen soll.
Nicki Minaj — „Last Time I Saw You“
Im November soll das fünfte Studioalbum PRINK FRIDAY 2 der US-Rapperin erscheinen. Einen Nachfolger ihres Debütwerks PINK FRIDAY, mit dem Nicki Minaj unter anderem ihren internationalen Durchbruch erlangte. Mit „Last Time I Saw You“ gibt sie zwei Monate vor Release der Platte einen Vorgeschmack darauf, was ihre Fans erwarten könne. Auf dem Track hört man die 40-Jährige nicht nur rappend, sondern auch singend. Passend dazu ist auch melodisch der Song neben Rap auch von Pop- und R&B-Einflüssen durchzogen. Textlich spricht Nicki Minaj in dem eher sentimentaleren Werk über die letzte Begegnung mit einer Person und die Reue, dieser nicht noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt zu haben.
„I wish I’da hugged you tighter the last time that I saw you / I wish l didn’t waste precious time that night when I called you / I wish I remembered to say I’d do anything for you / Maybe I pushed you away because I thought that I’d bore you“
Doja Cat — „Demons“
Kürzlich kündigte Doja Cat ihr neues Album SCARLET für den 22. September an. Nun liefert sie mit „Demons“ die dritte Single-Auskopplung nach „Attention“ und „Paint The Town Red“. In letzteren flirtet sie im Musikvideo mit dem Sensenmann und begibt sich in die Unterwelt. Das Video zu „Demons“ scheint eine Weiterführung davon zu sein. Hier übernimmt die Rapperin selbst die Rolle des Dämons, der die neue Hausbesitzerin — gespielt von Christina Ricci — verfolgt. Gewisse Video-Szenen scheinen eine Hommage an den 1982 erschienen Film „Poltergeist“ zu sein und auch die Badewanne-Szene erinnert hier an „The Shinning“.
Lil Wayne — „Kat Food“
Nach seinem Greatest Hits Album I AM MUSIC im März folgt mit „Kat Food“ Lil Waynes neustes musikalisches Werk. Auf einem Sample von Missy Elliotts „Work It“, produziert von Charlie Handsome, FNZ und Rogét Chahayed, rappt der 40-Jährige über Begehren und seinen Erfolg und nutzt Katzenfutter als eine Metapher dafür.
Bushido — „Dark Knight“
Nach seinem Track „Jupiterring“ im vergangenen Oktober feiert Bushido mit „Dark Knight“ ein kleines musikalisches Comeback. Dieses sorgte schon seit der Single-Ankündigung vor vier Tagen (28. August) für Aufmerksamkeit. Denn der Deutschrapper teilte dazu das Cover, auf dem eine zerrissene und mit Blut bespritzte Jokerkarte zu sehen ist. Einige Fans fingen daraufhin an zu glauben, dass es sich damit um eine Anspielung auf Capital Bra handeln könne, der unter dem Pseudonym „Joker Bra“ bereits Musik veröffentlichte. Dass „Dark Knight“ einen Disstrack gegen den Deutschrapper ist, bestätigte sich heute. Darin spricht Bushido über die gemeinsame Vergangenheit mit Capital Bra und resümiert sein angebliches Wissen über ihn. Capi reagierte auch bereits auf die Neuerscheinung und zeigte sich eher unbeeindruckt davon.
Ski Aggu — „Gensehaut“
Der Rapper bietet mit „Gensehaut“ einen Partytrack à la Ski Aggu. Auf einem Electro-Beat von Themba und Nilly, resümiert Ski Aggu einen Erfolg, Herzschmerz und eine Handy-Auszeit.
„Trinke kein’n Moët, ich mag den Sekt von ALDI lieber/KP, wie viel Geld auf mei’m Konto ist/Hol’ mir Spekulatius-Kekse, obwohl Sommer ist“
HipHop-Recap: Mit Marteria, LIZ, Luciano, Iggy Azalea, Capital Bra und Takt32
Veröffentlicht auf musikexpress.de am 25.08.2024
Diese Woche gab es eine Menge HipHop-Releases — Wir verschaffen euch einen Überblick.
Wöchentlich grüßt das Murmeltier — oder wenn es um HipHop geht: Der Release-Friday. Und dieser hatte heute so einiges in petto: Iggy Azalea meldet sich nach zwei Jahren Pause zurück und Deutschrap bietet alle Facetten von Marteria über Luciano zu Liz und sowohl Cro als auch Takt32 kommen mit größeren Projekten um die Ecke. Wir haben in die neuen Veröffentlichungen reingehört und geben euch hier einen kleinen Überblick.
Iggy Azalea — „Money Come“
Mit der Veröffentlichung ihrer LP THE END OF AN ERA 2021 kündigte die Rapperin zeitgleich eine musikalische Pause an. Zwei Jahre später scheint die gebürtige Australierin mit der Leadsingle „Money Come“ zu ihrem kommenden vierten Studioalbum wieder zurück im Rap-Game zu sein. Typisch für die Rapperin geht es darin um Erfolg und einen verschwenderischen Lebensstil. Doch legt sie hier ebenfalls den Fokus auf sexuelle Ermächtigung, finanzielle Unabhängigkeit in Hinblick auf das männliche Geschlecht und Selbstvertrauen. Dazu stürmt die 33-Jährige in dem dazugehörigen Musikvideo mit einer Frauengruppe in ein Büro und ersetzt die männlich dominierte Belegschaft durch Frauen.
Marteria — „Der Mensch stammt von Waffen ab“
Auf dem Hurricane gab Marteria bereits einen ersten Vorgeschmack auf seine neue Single „Der Mensch stammt von Waffen ab“ — nun ist der Track auch offiziell draußen. Auf einem eher entspannteren Beat rappt der 40-Jährige über das menschliche Dilemma, unbequeme Eigenschaften zerstören zu wollen und durch Machtgier Gewalt zum gängigen Automatismus zu machen.
„Seit Beginn der Menschheit scheint es so abgemacht/Alles, was uns guttut, wird plattgemacht/Ich glaub‘, das Ende wird ein Klassiker“
LIZ — „3 Gramm“
In „3 Gramm“ lässt Liz ihre vergangenen Erfahrungen in Frankfurt auf ihren heutigen Erfolg treffen und kombiniert dies mit einem Touch Herzschmerz. Ganz im Gegenteil zu ihrem letzten Track „Billie Jean“ nimmt uns die Rapperin nicht durch eine Partynacht mit, sondern zeigt uns eine emotionalere Seite von sich. Dafür blickt sie im Musikvideo auf Videoausschnitte ihres Lebens und lässt Schlüsselmomente Revue passieren. „3 Gramm“ ist die dritte Single-Auskopplung aus ihrem zweiten Album AMY WINEHOUZE, welches am 13. Oktober erscheinen soll. Auf der LP thematisiert die 25-Jährige ihre Hass-Liebe-Beziehung zu ihrer Geburtsstadt Frankfurt. Die Anspielung auf Amy Winehouse soll Liz’ Parallelen zum Leben der britischen Sängerin unterstreichen.
Luciano — „All I Need“
Mit „All I Need“ zelebriert Luciano die Liebe. Nachdem sein letzter Release „Mami“ einen internationalen Gast-Beitrag von BIA beinhaltete, veröffentlicht er mit „All I Need“ wieder ein Solo-Projekt, in dem er seiner Liebespartnerin Loyalität verspricht.
„Ja, guck, dein Lächeln/Warm und heilt mir Wunden ganz tief in mei’m Herzen“
Capital Bra ft. OTTO — „Was geht“
Mittlerweile gehört Capital Bra fast schon zum festen Bestandteil des Release-Fridays, denn mit „Was geht“ liefert Capi bereits vier Freitage in Folge eine neue Single. Auf einem Partybeat von Bledbeats rappt der 28-Jährige über eine einsame Nacht, in der er durch die Stadt zieht. Durch seinen Feature-Partner OTTO wird ein bilingualer Songtext aus Deutsch und Albanisch kreiert.
„Lauf‘ allein durch die Gegend/Spür’ nicht mehr den Regen/Mein Kopf ist benebelt“
Genetikk — „Crime Pays“
„Crime Pays“ ist der zweite Vorgeschmack auf das in diesem Jahr erscheinende Album SACRIFICE. Während Genetikk in ihrer ersten Single-Auskopplung „Du Lügst“ auf einem Drill-Beat eine Ansage an Lügner servieren, fokussiert sich das Duo in „Crime Pays“ darauf ihre Errungenschaften aufzuzählen und diese mithilfe einer Anreihung von Punchlines anzupreisen. Trotzdem bleiben dabei Seitenhiebe an Hater nicht unerwähnt.
Cro — SPACEJAM EP
Auf seiner neuen EP verbindet Cro, typisch für ihn, wieder Rap mit Pop. In den Tracks legt er thematisch den Fokus auf die Liebe und reflektiert seinen Lifestlye. Dabei lässt der Rapper poppige Sounds auf Soulsamples wie in „so bad“ treffen und erschafft durch „extasy“ einen gutgelaunten Tanztrack. Auf SPACEJAM sind ebenfalls Gast-Beiträge von Blumengarten und Léonie Barbot enthalten. Das Musikvideo zu „nie wieder normal“ ft. Blumengarten erscheint heute um 14 Uhr auf Cros YouTube-Kanal.
Takt 32 — UNLÖSBARE GLEICHUNG
Nachdem Takt32 im Februar bereits das Kollabo-Album MOAI mit Kool Savas veröffentlichte, folgt bereits ein paar Monate später sein Solo-Album UNLÖSBARE GLEICHUNG. Darin bietet der Deutschrapper neben versierten Punchlines auch einen wilden Mix an Themen. Während der gebürtige Berliner in „RIP“ ft. Badmómzjay eine Ansage an die Rap-Szene macht, spricht er in „Wolkendecke“ ft. Khrome über Hoffnung, die gegenüber Zweiflern unantastbar sei. Mit „Zu Haus“ ft. Monet192 bietet Takt32 ebenfalls einen Track über die Liebe und dem damit manchmal verbundenen Herzschmerz. UNLÖSBARE GLEICHUNG bietet Hochs und Tiefs zwischen smoothen, tiefgründigen Tracks und arroganten Bangern.
HipHop-Recap: Mit Polo G, Quavo und Mike Will Made-It ft Lil Uzi Vert
Veröffentlichung auf Musikexpress.de am 18.08.2024
Die Rap-Releases der Woche im Überblick mit Polo G, Quavo und Mike Will Made-It ft. Lil Uzi Vert.
Die Top drei HipHop-Releases dieser Woche stehen eher im Zeichen des US-Raps. Quavo veröffentlicht ein Album als Tribut an seinen verstorbenen Neffen Takeoff, Mike Will Made-It tat sich für seine neue Single mit Lil Uzi Vert zusammen und Polo G gibt uns einen melancholischen Blick auf das Leben.
Polo G — „Barely Holdin’ On“
In Polo Gs neuem Track „Barley Holdin’ On“ thematisiert der Rapper die Hürden und Probleme des Lebens. Dazu kombiniert er Rap mit Gesang auf einem eher ruhigeren und smoothen Beat. Im dazugehörigen Musikvideo setzt sich Polo G in einem weißen Anzug selbst an das Klavier und zeigt verschiedene Protagonist:innen, die derzeit durch Verlust, Sucht oder Krankheit ein Hindernis in ihren Leben bewältigen müssen.
„Barely holdin‘ on, this life gets scary as it goes on /Burdens while we carry on, I ain’t perfect, spare me if I’m wrong /Hope my secrets get buried when I’m gone, starin‘ at the writin‘ on these headstones“
Mike Will Made-It ft. Lil Uzi Vert — „Blood Moon“
Nach drei Jahren musikalischer Pause meldet sich der Produzent Mike Will Made-It mit „Blood Moon“ erstmals zurück. Auf einem typischen Mike Will Made-It-Sound rappt Lil Uzi Vert über seine Besitztümer und seinen Erfolg. Hinter dem Beat steckt allerdings nicht nur der 34-Jährige, sondern auch J. Cole, den er sich für den Track als Co-Produzent dazu holte.
“Pink diamond on my head, it’s a marquise / Pull up in a Rari like a Grand Marquis / At the Waldorf Astoria, no Marquis / Thirty-five thousand just for two damn teeth.”
Quavo — ROCKET POWER
Knapp zehn Monate nach dem Tot seines Neffen und ehemaligen Migos-Mitglieds Takeoff, veröffentlichte Quavo sein Album ROCKET POWER, in dem er diesem huldigt. Neben bekannten Rap-Persönlichkeiten wie Young Thug, Future und Baby Drill ist auf den 18 Tracks ebenfalls Takeoff vertreten. So sagt er am Ende des Album-Openeres unter anderem: „Tue den Scheiß für die Familie, denn der Scheiß ist größer als ich.“ Auch auf Tracks wie „Patty Cake“ und „Back Where It Begins“ featuring Future ist die Stimme des verstorbenen Rappers zu hören. Takeoff wurde Ende 2022 bei einem Clubbesuch erschossen und starb im Alter von 28 Jahren.
HipHop-Recap: Mit Kontra K, Luciano, Nura, BIA, Monet192 und Takt32
Veröffentlicht auf Musikexpress am 11.08.2024
Wir haben in die HipHop-Releases der Woche reingehört und sie für euch zusammengefasst.
Während heute (11. August) alle 50 Jahre HipHop zelebrieren und auf die letzten Jahrzehnte des Genres zurückblicken, wollen wir uns die vergangene Woche im Rap-Game genauer anschauen. Dazu haben wir in die Veröffentlichungen der Woche reingehört und geben euch einen Überblick zu den Releases von Kontra K, Luciano ft. BIA, Nura, Takt32 ft Khrome und Monet192.
Kontra K — „Summertime“
Kontra K veröffentlicht mit „Summertime“ eine Liebeserklärung an einen Partner im Crime. Passend dazu liefert er ein über siebenminütiges Musikvideo, welches fast schon einem kurzen Kinofilm ähnelt. Darin führt der Deutschrapper eine Dreiecksbeziehung mit zwei Frauen und geht zusammen mit ihnen regelmäßig auf Raubzüge, bis sie einmal zu weit gehen. In dem Track hört man allerdings nicht nur Kontra Ks Stimme, denn für die Hook verwendete der 36-Jährige ein Sample von Lana Del Reys „Summertime Sadness“. Die Single wurde von Beatzarre, Djorkaeff, Thilo Brandt und Emile Haynie produziert und ist eine Auskopplung von einem im November kommenden Album DIE HOFFNUNG KLAUT MIR NIEMAND.
Monet192 — „Kein Herz“
In Monet192s neuem Track spricht der gebürtige Schweizer über eine On-Off-Beziehung, in der man ihm vorwirft, „Kein Herz“ zu haben. Auf einem smoothen Beat von Menju, der vom Stil auch an The Weeknd erinnert, konfrontiert Monet192 die Kritik seiner Liebespartnerin und schlüpft für das Video dazu in der Rolle eines Stalkers.
„Vielleicht hast du recht/Und ich spüre Liebe nur, wenn’s dir schlecht geht/Doch anders weiß ich nicht, ob sie echt ist/Du sagst doch immer, dass mir ein Herz fehlt/Und ich wär nicht menschlich/Vielleicht hast du recht“
Luciano ft. BIA — „Mami“
Bereits im vergangenen Jahr arbeiteten Luciano und BIA zusammen mit Aitch und kreierten mit „Bamba“ einen internationalen Hit, der es in Deutschland auf Platz eins der Charts schaffte. Nun scheint es ein Comeback vom Rap-Power-Paar zu geben. In Up-Tempo-Track „Mami“ rappen Luciano und BIA auf einem bouncingen Beat über das Feiern gehen und nehmen uns im Musikvideo unter anderem auf eine Club-Nacht mit.
Takt32 ft. Khrome — „Wolkendecke“
Im gefühlvollen Track „Wolkendecke“ spricht Takt32 zusammen mit Khrome über Zweifler, die ihnen sagen, dass nach dem „zwölften Stock“ für sie Ende sei. Doch die beiden Rapper lassen sich nicht von solchen Aussagen beeindrucken. Das Thema der Hoffnung und des Ehrgeizes wird dabei nicht nur lyrisch unterschrieben. Neben den Rap-Parts scheint Takt32 teilweise zu singen und verleiht dem Song dadurch nochmals eine persönlichere Note.
Nura — „Fat A$$“
Mit „Fat A$$“ verfasst Nura eine Ode an ihren Körper und ihr Taktgefühl. Dabei liefert sie den meist heteronormativen Rap-Texten einen Gegenpol, in dem zur Abwechslung auch homosexuelle oder bisexuelle Liebe repräsentiert wird. Mit tiefen Bässen und Bouncen bietet sich „Fat A$$“ als Partysong für den Sommer an. Den Beat dazu produzierte Hägi.
HipHop-Recap: Mit Doja Cat, Genetikk, Liz, Katja Krasavice und Eko Fresh
Veröffentlicht auf musikexpress.de am 04.08.2024
Genetikk liefert die erste Single 2023, Katja Krasavice eine wichtige Message und Doja Cat ein Höllenfeuer.
In dieser Woche hat uns der HipHop einige Vorgeschmäcker auf noch folgende Rap-Alben gegeben und nicht nur das: Genetikk meldete sich mit ihrem ersten Track des Jahres zurück. Wir haben uns die Veröffentlichungen angehört, in die Musikvideos reingeschaut und sie für euch zusammengefasst.
Katja Krasavice ft. Luna — „Neonlights“
Katja Krasavice liefert mit „Neonlights“ einen weiteren Vorboten zu ihrem Album EIN HERZ FÜR B**CHES, das am 1. September erscheinen soll. Dafür holte sie sich Luna mit auf den Track, um über ein wichtiges Thema zu sprechen: die Diskriminierung der LGBTQ+-Community. Die beiden Künstlerinnen thematisieren mit dem Song die gesellschaftliche Ausgrenzung von queeren Personen und wie sie sich aufgrund ihrer sexuellen Orientierung immer wieder gegen neuen Unterdrückungsversuchen stellen müssen. Passend dazu sieht man im Musikvideo Regenbogenflaggen und queere Liebe.
„Du dachtest immer schon, sie seh’n dich nicht/Doch weil du nicht so wie jeder bist/Für diesen Hass gibt es kein Gеgengift/Du bist perfekt, wiе du bist“
Genetikk — „Du Lügst“
Mit „Du Lügst“ veröffentlichen Genetikk ihren ersten Track des Jahres und liefern damit die erste Singleauskoppelung aus ihrem in diesem Jahr erscheinenden Album SACRIFICE. In dem Song machen Genetikk die Ansage, Lügen und Lügner sofort erkennen zu können und zeigen sich dazu im dazugehörigen Video in einer Tiefgarage vor mehreren Sportwagen.
„Du lügst/Sie hab’n dich geseh’n, ich weiß, du lügst/Du kannst reden, doch die Augen lügen nie/Verraten und verkauft, sag, für wie viel“
LIZ — „Billie Jean“
Mit ihrem Partytrack „Billie Jean“ zeigt Liz nach „Main Grau“ eine weitere Facette ihres am 13. Oktober kommendem Album AMY WINEHOUZE. Auf einem Beat von PzY rappt Liz über ihren Erfolg und nimmt einen sowohl lyrisch als auch visuell mit durch eine lange Clubnacht.
Doja Cat — „Paint The Town Red“
Doja Cat geht mit „Paint The Town Red“ in die Tiefen der Hölle. Nach „Attention“ handelt es sich bei dem Track um ihr zweites Solo-Projekt in diesem Jahr. Dieses hatte sie bereits vorab selbst in einem Instagram-Live geleakt und die Fans reinhören lassen, während sie selbst mit blutroter Farbe ein Bild zeichnete. Dies fängt sie auch in dem Musikvideo ein, denn sie zeigt sich anfänglich komplett bedeckt mit einer blutähnlichen Substanz. Anschließend scheint die US-Rapper in die Hölle zu fallen, wo sie mit dem Sensenmann flirtet und mit rohem Fleisch umher wirft.
„Yeah, b**ch, I said what I said/I’d rather be famous instead/I let all that get to my head/I don’t care, I paint the town red“
Eko Fresh ft. Money Boy — Rolls Royce
Eko Fresh und Money Boy cruisen gemeinsam im „Rolls Royce“ durch die City. Der Beat von Jan van der Toorn lässt HipHop auf Trab treffen und unterstreicht dabei die schnellen Wortspielereien der beiden Deutschrapper. Nach „Mein Revier“ veröffentlicht Eko Fresh mit „Rolls Royce“ die zweite Single aus seiner LP EKSCALIBUR, welche am 25. August erscheinen soll.
HipHop-Recap: Mit Cardi B, Travis Scott, Saweetie, BIA, Megaloh und Co
Veröffentlicht auf musikexpress.de am 28.07.2024
Wir lassen für euch die Rap-Tracks und HipHop-Alben der Woche Revue passieren.
Betrachtet man den US-Rap, meinen es die HipHop-Releases der Woche sehr gut mit uns: Das lang ersehnte Scott Album UTOPIA ist endlich da, Saweetie feiert zusammen mit Tyga ihren Geburtstag und Cardi B schließt sich mit Ehemann Offset zusammen, um mithilfe ihrer neuen Single den Gerüchten über Beziehungsprobleme ein Ende zu setzen. Wir haben uns die Veröffentlichungen der nationalen und internationalen Rap-Szene angeschaut und für euch zusammengefasst.
Cardi B ft. Offset — „Jealousy“
Auf einem Sample von Three 6 Mafias Track „Jealous A** B**ch“ thematisieren Cardi B und Offset ihr Beziehungsdrama. Dabei ist „Jealousy“ eher mit einem Augenzwinkern zu verstehen, denn seit Monaten kursiert das Gerücht, dass Cardi B ihrem Mann fremd gegangen sei. Die Spekulationen entstanden, nachdem Offset in einem inzwischen gelöschten Social-Media-Post behauptete, dass die „WAP“-Rapperin ihm untreu sei. Nun scheint das Geheimnis um diese Aussage gelüftet und die Behauptung wahrscheinlich eher ein Promo-Trick gewesen zu sein. Die Regie zum Video übernahm Offset selbst.
Travis Scott — UTOPIA
Fünf Jahre nach seinem letzten Album ASTROWORLD, ist es endlich so weit: UTOPIA ist da! Lange war es unsicher, ob und wann das Album veröffentlicht wird. Der US-Rapper kündigte die Platte bereits 2020 an und verschob später öfters den Release. Nachdem dann auf den letzten Metern sein Launch-Event in den Pyramiden von Gizeh in Ägypten platzte, fragten sich einige Fans, ob das Album erneut verschoben werden würde. Aber das Warten hat sich gelohnt, denn die Platte hat insgesamt 19 Tracks und ist damit das längste Werk des 32-Jährigen. Dazukommend birgt die Trackliste so einige Überraschungen. Auf den ersten Blick scheint Travis Scott alleine auf der Platte vertreten zu sein, doch beim Reinhören werden dann die zahlreichen Gast-Beiträge deutlich: Drake, Playboi Carti, Future, 21 Savage, Bad Bunny, The Weeknd und SZA. Und als besonderer Diamant tritt im neunten Track „Delresto (Echoes)“ Beyoncé auf. Neben Travis Scott produzierten auch Pharrell Williams, Kanye West und Metro Boomin die LP.
Saweetie ft. Tyga & YG — „Birthday“
Saweetie veröffentlichte zu Feier ihres Geburtstagsmonats eine Doppelsingle „Birthday“ und „Shot O’Clock“. Zu Ersterem lieferte die US-Rapperin auch ein Musikvideo, in dem sie unter anderem auch Szenen von ihrer Geburtstagsparty zeigte. Denn der Titel ist nicht zufällig gewählt. Die Krebs-Queen ist Anfang des Monats 30 Jahre alt geworden und zelebriert dementsprechend sich selbst mit dem Track. Für „Birthday“ holte sich Saweetie Unterstützung von Tyga und YG, mit denen sie ab Ende September zusammen auf USA-Tour gehen wird.
Samy Deluxe ft. Morten — „Microdose“
Neuer Release-Friday, neuer Vorgeschmack auf Samy Deluxes kommende Platte HOCHKULTUR ZWEI. Bei dem dazu veröffentlichten Video handelt es sich allerdings nicht um ein Musikvideo, sondern ein Art Kurzfilm. Der dreiminütige Clip namens „Hochkultur Art Movie“ zeigt Samy Deluxe und seinen Feature-Partner Morten auf Dächern und vor Graffiti-Wänden auf den Beat von Bazzazian rappend. Dazukommend gibt der Clip eine Idee zu noch folgenden Singles, da auch Snippets von „Martinshorn“ und „Immortal“ zu hören sind.
Bozza – „4×4“
Bozza veröffentlichte heute sein drittes Studioalbum HALBVOLL, mit dem ebenfalls das Musikvideo zum Track „4×4“ herauskam. Darin zelebriert der Deutschrapper seinen Erfolg und erklärt auch die Kehrseiten davon.
„Stell dir vor ich hab jetzt Freunde /Stell dir vor ich hab jetzt Feinde /Stell dir vor das ist das gleiche“
Megaloh – AFROV1BES
In Zusammenarbeit mit dem Produzenten Oga Beats veröffentlichte Megaloh seine EP AFROV1BES. Nach seiner 2022 erschienenen Platte DREI KREUZE vermittelt der gebürtige Berliner mit dem neuen Projekt ganz neue Vibes. Dabei liefert uns der Deutschrapper karibisch angehauchte Afrobeats mit elektronischen Einflüssen und eine EP, die offiziell den Sommer einläutet.
BIA – REALLY HER
Bia veröffentlichte ihre EP REALLY HER und damit auch das erste größere Projekt seit ihrem letzten Album CERTAIN (2020). Auf dem waren Banger wie „Whole Lotta Money“ und die 31-Jährige schaffte ihren Durchbruch damit. Dementsprechend lag die Messlatte hoch für ihre neue EP. Und die US-Rapperin enttäuscht nicht, mit Gast-Beiträgen von Juicy J, Timbaland und J. Cole zelebriert Bia sich selbst, ihren Erfolg und ihr Rap-Können.
HipHop-Recap: Mit Badmómzjay, A$AP Rocky, Stormzy, Nura, Cro und Co.
Veröffentlicht auf Musikexpress.de am 21.07.2024
Wir haben uns die HipHop-Veröffentlichungen der Woche angehört und bewertet – hier unser Resümee.
Wie an jedem Ende der Woche haben wir uns auch heute die HipHop-Releases der Woche angeschaut. Diesmal ist so einiges im Rap-Game passiert und die Künstler:innen haben ordentlich viel gedroppt. Wir haben für euch die Crème de la Crème davon zusammengefasst und geben euch unseren Eindruck zu A$AP Rocky, Travis Scott ft. Bad Bunny & The Weeknd, Badmómzjay ft. Juju, Nura, Kitty Kat, Cro und Stormzy ft. Raye.
Badmómzjay ft. Juju — „Mh Mh“
Mit „Mh Mh“ führt Badmómzjay ihr potenzielles Können außerhalb des Rap-Kosmos an. Zur Unterstützung holte sie sich die Rapperin Juju auf den Track. Diese veröffentlicht mit ihrem Gast-Beitrag auf „Mh Mh“ erstmals seit einem Jahr wieder Musik. Gemeinsam zelebrieren die gebürtigen Berlinerinnen auf der Single ihren Erfolg und ihre Möglichkeiten.
„Ich könnte alles sein, wär ich nicht grad ’ne Rapperin/Egal, was es auch wäre, ich wär trotzdem noch die Bessere/Ah, ich könnt ’nen ganzes Album nur mit krasser Message bring’n/Doch steh‘ auf Tracks mit paar Beleidigung’n und Bässen drin, ah“
Mit „Mh Mh“ gibt Badmómzjay nach „Survival Mode“, „Keine Tränen“, „Yeah Hoe“, „RIP“ und „Auf die Party“ featuring Domiziana ihren sechsten Vorgeschmack auf ihr am 31. Dezember erscheinendes Album SURVIVAL MODE.
Kitty Kat — „Was Junge was“
Talking about female Power: Kitty Kat veröffentlicht mit ihrer Single „Was Junge was“ eine Ansage an männliche Provokationen. Dabei gibt die 41-Jährige zu verstehen, dass man sich lieber nicht mit ihr anlegen sollte. Sowohl ihr Stil als auch der Beat erinnern passend zur angesprochenen Thematik an Straßen-Rap.
„Hast du mit mir ’n Problem?/Dann wirst du hier nicht lange steh’n/Du wirst hier nicht lange steh’n/Junge, glaub mir, du wirst seh’n“
A$AP Rocky — „RIOT“
A$AP Rocky veröffentlicht mit „RIOT“ sein erstes Solo-Projekt in diesem Jahr. Der Track ist gerade einmal ein paar Stunden draußen und sorgt jetzt schon für ordentlich viel Gesprächsstoff. Dabei geht es weniger um die Ansage in dem Song, dass er die Macht habe einen „Aufstand“ bei Gegnern anzuzetteln, sondern vielmehr um ein kleines Detail, welches der US-Rapper im ersten Part einbaut. Darin zählt der 34-Jährige nämlich Eigenschaften auf, die seinen Erfolg unterstreichen – eine davon sei seine Ehefrau. Nun spekuliert die Welt, ob Rihanna und A$AP Rocky inzwischen heimlich geheiratet haben. Ob das tatsächlich der Fall ist, weiß man allerdings nicht, denn keiner der beiden hat sich bislang dazu geäußert.
„My wife is erotic, I’m smokin‘ exotic/My whip is еxotic, my crib is a cottage/A whole lotta cheesy, we gеttin‘ that cottage“
Cro — „nie weg“
Auf einem smoothen Beat von apajon erklärt Cro, dass er „nie weg“ war und noch immer fester Bestandteil der Deutschrap-Szene ist. Der King of Raop zelebriert in dem Track seinen Erfolg, den er auch nach seinem Durchbruchssong „Easy“ 2011 über zehn Jahre halten konnte. Mit „nie weg“ folgt nach „So Bad“ und seinem Gast-Beitrag auf Caspers Hit „Sommer“ seine dritte Single in diesem Jahr.
„Aha, ey, du weißt, wer es ist (Cro)/Einfach immer noch der Flyste im Biz (Cro)/Ey, du denkst, der Boy ist zurück/Doch ich war nie weg, ah-ah (Cro)“
2022 veröffentlichte Cro sein fünftes Studioalbum 11:11, womit er es an die Spitze der deutschen Album-Charts schaffte und sich dort neun Wochen hielt.
Nura — „Für die Vibes“
Auf einem Sample von Crystal Waters Track „Gypsy Woman“ liefert Nura mit „Für die Vibes“ eine Ode an die gute Stimmung. Auf einem Uptempo-Beat rappt die 34-Jährige über einen Flirt, der mehr werden könnte. Einen Menschen, mit dem sie gerne ihren Drink und den gleichen Vibe teilt.
„Feierabend in der Hauptstadt/Wir sind lit, hängen zum Vorglüh’n auf der Couch ab, ey/Du bist genau, was ich gebraucht hab’/Vielleicht wird mehr aus еinem Flirt, wenn ich nicht aufpass’“
Stormzy ft. Raye — „The Weekend“
Gemeinsam mit der Sängerin Raye setzt Stormzy den Fokus auf Liebe und Leidenschaft – die aber bitte nur am Wochenende stattfinden soll. Dabei rappt Stormzy in „The Weekend“ über eine Beziehung, in der beide während der Woche hart arbeiten müssen und sich währenddessen auf die gemeinsame Zeit zu zweit am Wochenende freuen. Der Track ist schon die zweite Zusammenarbeit von Stormzy und Raye, denn bereits 2016 war der Rapper auf der Single „Ambition“ aus Rayes EP SECOND zu hören.
„I was thinkin‘ we should spend some time, babe/But don’t, don’t play no game with me, honey/‚Cause I’m workin‘ all week, Monday to Friday/Let’s stay in the weekend“
Travis Scott ft. Bad Bunny & The Weeknd — „K-POP“
Während Travis Scotts Fans gespannt auf sein Album UTOPIA warten, scheint es immer wieder zu Verschiebungen und Änderungen zu kommen. Ob der US-Rapper sein neuestes Werk am 28. Juli in den Pyramiden von Gizeh in Ägypten performen wird, bleibt ein Rätsel. Allerdings liefert seine aktuelle Single-Auskopplung „K-POP“ Antworten auf die Frage zum zu erwartenden Sound der Platte: Vielfältig! Die Hommage an K-Pop hat nicht wirklich etwas mit dem Genre zu tun und umfasst lyrisch eher Liebe und Lust. Dennoch spielt der 32-Jährige für dieses Werk mit verschiedenen Genres herum: HipHop, Reggaeton und R&B. Zur Verschmelzung der vier unterschiedlichen Einflüsse holt sich der US-Rapper Reggaeton-Legende Bad Bunny und R&B-Idol The Weeknd dazu. Zum bilingualen Track soll heute (21. Juli) um 18 Uhr deutscher Zeit ein Musikvideo auf Scotts YouTube-Kanal folgen.
„I know ‚bout this one time/You felt like that winner/That night was just so fire/I need you back sooner“
HipHop-Recap: Mit Kontra K, Samy Deluxe, Capital Bra und Takt32
Veröffentlicht auf musikexpress.de am 17.07.2024
Wir haben uns ausgiebig durch die Rap-Neuveröffentlichungen gehört. Hier gibt’s unsere Meinung dazu.
Wir haben uns durch die neuen Veröffentlichungen von Kontra K, Samy Deluxe, Capital Bra ft. ILATCH, Takt32 ft. Monet192 und RAF Camora ft. Hoodblaq angehört. Von Herzschmerz über Street-Storys bis hin zu Gangsta-Rap ist alles dabei.
Kontra K – „Was Echtes“
Kontra K wünscht sich in seinem neuen Track „Was Echtes“ und zeigt dabei seine emotionalere Seite. In der Single-Auskopplung – von seinem im November kommenden Album DIE HOFFNUNG KLAUT MIR NIEMAND – thematisiert der Deutschrapper, was er bei seinem potenziellen Partner in Crime sucht.
„Ich will mit dir tief fall’n und danach wieder aufstеh’n/Dass du nicht trauerst wenn ich dreieinhalb reingeh’/Wirklich auf mich wartest bis ich dann wieder rauskomm’/Und statt zu heulen, dass nächste Ding mit mir zu zweit drehst“
Der Song wurde von Beatzarre und Djorkaeff produziert und befasst sich auch mit den negativen Seiten einer Liebesgeschichte. Kontra K erklärt darin, dass eine Beziehung für ihn nicht nur Loyalität, sondern auch Schmerz und Streit bedeute. Charakteristisch für den 36-Jährigen, bedient er dich für das Musikvideo bei Natur-Elementen und zeigt sich unter anderem umrahmt vom tosenden Meer.
Takt32 ft. Monet192 – „Zu Haus“
Takt32 holt sich für seine neue Single „Zu Haus“ Unterstützung vom Schweizer Rapper Monet192. Darin sprechen die beiden über die Dualität einer Liebesbeziehung, in der es um eine Sehnsüchte, Ängste, aber eben auch um Sicherheit geht – um die eine Person, die einem das Gefühl von zu Hause vermittelt. Auf einem Beat von Efe und Noizy trifft Rap sowie R’n’B. Tatsächlich schafft es die Melodie sich smooth an die Bedeutung des Tracks anzuschmiegen.
Capital Bra ft. ILATCH – „El Naseeni“
Für Capital Bras neuen Track „El Naseeni“ (feat. ILATCH) begibt sich der Deutschrapper in die Wüste. Passend zur Location stimmt Capi den Song auf Arabisch an und rappt später auf Deutsch weiter. ILATCH, das neue Signing von Capital Bra, liefert dazu eine stimmige Hook und singt auf Arabisch. Zum Beat von TAC zelebriert Capital Bra lyrisch seinen Erfolg und zeigt seine damit verbundene Dankbarkeit. „El Naseeni“ ist ein entspannter Track, der Sommer-Hit-Potenzial bietet.
Samy Deluxe ft. DJ Desue – „Roter Velour“
Samy Deluxe beschenkt uns mit „Roter Velour“ mit sauber gemachten Oldschool-Rap. Dabei kombiniert der gebürtige Hamburger in seinem Musikvideo die Säulen des HipHops: Graffiti, Breakdance und Rap. Und wann sollte es angebrachter sein, in New York die Genre-Klassiker zu zeigen, als zum 50-jährigen Geburtstag von diesem?! Vielleicht zu einer neuen Samy-Deluxe-Platte, denn der 45-Jährige hat die Single, die in Zusammenarbeit mit DJ Desue entstand, auch gleich dazu genutzt, um sein neuestes Werk HOCHKULTUR 2 für den 11. August anzukündigen.
RAF Camora ft Hoodblaq – „Tropicana“
Zusammen mit der Rap-Gruppe Hoodblaq serviert uns RAF Camora mit seinem neuen Track „Tropicana“ dicht komprimierten Straßenrap. Der Sprachstil der Jungs trifft auf den schnellen und eingängigen Flow von Menju, der gemeinsam mit den Produzenten The Royals, Neal & Alex, RAF Camora und The Cratez schon einige Beats für RAF Camora zusammengebastelt hat. Unter anderem deswegen gibt uns der Song eine RAF-Camora-typische Partystimmung.
„Man hört den Sound überall im Club/Ja, mein Sound überall im Club/Woher das kommt? Bruder, hab’s im Blut/Wie James Bond, nur mit paar Tattoos“
HipHop-Recap: Mit Casper & Cro, Layla, Haiyti und PARTYNEXTDOOR
Veröffentlicht auf Musikexpress.de am 07.07.2024
Wir haben uns die Releases von Casper & Cro, Layla, Haiyti und PARTYNEXTDOOR angehört und bewertet.
Wieder einmal ist es soweit: Der Release-Friday ist am Start und bringt uns melancholische Rückblicke, Liebesdramen und sommerliche Vibes. Wir haben uns die Releases von Casper featuring Cro, Layla, Haiyti und PARTYNEXTDOOR angeschaut und geben euch hier unser Resümee.
Casper ft. Cro – „Sommer“
Casper hat bereits sein sechstes Album NUR LIEBE, IMMER für den 24. November angekündigt. Für die zweite Single-Auskopplung „Sommer“ lässt er dafür mit Cro ein alte Liebe wieder aufblühen. Denn die beiden Rapper arbeiteten bereits 2012 gemeinsam an der Single „Nie wieder“, die damals eher unangekündigt erschien. Im Video zu „Sommer“ befinden sich die beiden Deutschrapper vor einem Wohnhaus, auf dessen Balkone die verschiedenen Leben der Nachbarschaft zu sehen sind. Auf einem Beat von Hitimpulse und nilly reflektiert Casper über sich und sein Leben. Eventuelle verpasste Gelegenheiten, das Gefühl von Kälte und Einsamkeit, das eine Sehnsucht auf Sonnenstrahlen und Wärme entfacht.
„Kalender sagt „Mai“, doch es fühlt sich an wie Winter/Solang ich mich erinner‘, immer nur der Spinner/Jalousie zu, denn im Kopf ist Gewitter“
Passend zum Songtitel werden die Lyrics von einer sommerlich-ruhigen Melodie unterstrichen. Ein Musikstil, der sich sowohl an den typischen Rapstil von Casper als auch Cro anschmiegt und uns den Sommer versüßt, ohne dabei pseudo-optimistisch zu sein.
Layla – „Fruchtsaft“
Apropos Sommervibes! Layla nimmt uns in dem Video zu „Fruchtsaft“ mit an den Pool und zum Strand. Nach ihrer zuvor veröffentlichten Single „Waterloo“, in der sie einer vergangenen Liebesgeschichte nachtrauert, liefert uns die Rapperin nun Selbstbewusstsein und positive Energie. Ihr Rapstil erinnert dabei sehr an ihre 2021 veröffentlichte EP TRABOE, in der sie sich selbst und ihr Können zelebriert. Ganz gegensätzlich zu ihrer EP ist jedoch der Beat von „Fruchtsaft“. Es ist kein lässiger HipHop-Sound mehr, denn Stoopid und Oh.no.ty. bringen durch elektronische Elemente Dynamik in den Song.
Layla veröffentlichte im vergangenen Jahr bereits ihre beiden Songs „Pose“ und „Poster Girl“. Während die letztere Single ihren alten Flow widerspiegelt, wagt sich Layla mit „Pose“ und „Furchtsaft“ an einen neuen musikalischen Stil – der ihr sehr gut steht.
Haiyti – „Sag mir“
Nach ihrem Anfang Juni veröffentlichten Track „Leicht Mit Dir“ kommt nun die lyrische Fortsetzung durch „Sag Mir“. Während uns Haiyti in „Leicht mit dir“ von einer toxischen Liebesgeschichte erzählt, in der sich die Anwesenheit der anderen Person besser anfühlt als sie sollte, scheint Haiyti in „Sag mir“ mit dem alten Drama abgeschlossen zu haben. Auf einem Beat von Bounce Brothas rappt die 30-Jährige über einen imaginären Partner in Crime, den sie im Nachtleben sucht, aber bislang noch nicht gefunden hat:
„Sag mir, sag mir, wo du bist/Denn es gibt kеin Weg zurück für mich/Bisher hab ich noch kein Glück gehabt/Und vielleicht gibt es dich auch nicht“
PARTYNEXTDOOR – „Resentment“
In „Resentment“ spricht PARTYNEXTDOOR über eine Partnerschaft, bei der man sich nicht auf den anderen verlassen kann. Eine Beziehung, in der der nötige Respekt und das Vertrauen fehlen. Begleitet von einem smoothen und PARTYNEXTDOOR-typischen Beat, schließt der US-Rapper mit der Liebesgeschichte ab:
“Thinking about getting even, but I ain’t even aspire to get that low/I just want to know what we’re waiting for, baby/I won’t keep bringing up the past, I won’t keep trying to run it back/I won’t keep standing for it (lack of respect)“
Eine ähnliche Thematik findet sich auch in seiner zuletzt veröffentlichten Single „Her Old Friends“. Darin rappt der 30-Jährige über sein Misstrauen gegenüber einer Frau, die von ihren alten Freunden durch Nichtstun ermutigt wird fremdzugehen
